Der deutsche Ingenieur und Pionier der Computerentwicklung Konrad Zuse ging als Erfinder des weltweit ersten programmierbaren Computers und der ersten Hochsprache der Programmierung in die Geschichte ein. Als Autodidakt entwickelte Zuse Rechenmaschinen, ohne Kenntnisse über ähnliche Geräte, die zu seiner Zeit existierten. Sein größter Erfolg war der funktionierende, programmgesteuerte Computer Z3. Zudem gründete Zuse 1946 eines der ersten Computerunternehmen der Welt. Mehr über diesen innovativen Geist erfahren Sie auf berlinfuture.eu.
Einfallsreich seit der Kindheit
Konrad Zuse wurde am 22. Juni 1910 in Berlin geboren. Im Alter von zwei Jahren zog seine Familie nach Braunsberg (heute Braniewo, Polen), wo sie im Gebäude eines Postamts lebte, da sein Vater als Postbeamter arbeitete. Schon in jungen Jahren zeigte Zuse Interesse an Elektrotechnik. Er besuchte das Collegium Hosianum, ein Jesuitenkolleg, das ursprünglich für die Ausbildung katholischer Geistlicher verschiedener Länder gegründet wurde. Trotz seines Genies galt Zuse in seiner Jugend nicht als besonders fleißig. Er war zwei Jahre jünger und physisch schwächer als seine Mitschüler. Besonders fürchtete er den Lateinunterricht, der acht Stunden pro Woche umfasste. In späteren Jahren erzählte Zuse, dass selbst die Bombenangriffe in Berlin ihm weniger Angst machten als ein strenger Lehrer, der ihn an die Tafel rief.
1923 zog die Familie nach Hoyerswerda in Deutschland, wo die Lehrmethoden moderner und weniger streng waren. Hier fühlte sich Zuse wohler. Kreativität zeigte er bereits als Jugendlicher, etwa als er einen schiefen Fahrradlenker mit einer Schnur stabilisierte, sodass er freihändig fahren konnte. Auch eine zweistufige Fahrradschaltung reparierte er mit Teilen aus einem Baukasten.
Der programmierbare Computer
Sein Studium absolvierte Zuse an der Technischen Hochschule Berlin, wo er Ingenieurwesen und Architektur studierte, jedoch ohne großes Interesse. Nach seinem Abschluss arbeitete er bei der Henschel Flugzeugwerke GmbH, wo er Berechnungen für die Belastungen durch Flugzeugflügelvibrationen anstellte. Um den Rechenprozess zu erleichtern, begann Zuse in der elterlichen Wohnung an der Methfesselstraße in Berlin mit der Entwicklung des Computers Z1. Da ihm keine Informationen über frühere Entwicklungen wie die von Charles Babbage bekannt waren, schuf er seine Maschine vollkommen unabhängig.
1938 stellte Zuse die Z1 fertig. Die vollmechanische Maschine hatte einen eingebauten Rechenmechanismus und einen Speicher aus Metallschichten zwischen Glasscheiben. Neuartig war die Möglichkeit, Programme über Lochstreifen einzugeben. Z1 war eine binäre Maschine mit zwei Positionsschaltern, was über die Ansätze von Babbage hinausging. Dennoch arbeitete die Z1 nicht zuverlässig, da ihre Mechanik zu ungenau war.
Zuse erkannte, dass ein automatischer Rechner drei Grundelemente benötigt: eine Steuerung, einen Speicher und eine Recheneinheit.

Weiterentwicklungen und der Z3
Zuses nächster Entwurf, die Z2, behielt das Speichersystem der Z1 bei, ersetzte jedoch den mechanischen Rechenmechanismus durch elektromechanische Relais. Doch der Zweite Weltkrieg unterbrach seine Arbeit. 1939 erhielt Zuse vom deutschen Militär die Ressourcen zur Entwicklung der Z2. Ein Jahr später präsentierte er die Maschine in der elterlichen Wohnung, wo sie mehrere Räume einnahm.
1941 gründete Zuse die Firma Zuse Apparatebau und stellte die Z3 vor – den ersten funktionsfähigen, programmgesteuerten Computer der Welt. Dieser 22-Bit-Rechner arbeitete mit Telefonrelais und konnte Programme mit Schleifen verarbeiten. Die Z3 wurde teilweise von der deutschen Regierung finanziert und von der Luftfahrtindustrie für Berechnungen verwendet.

Zuses Pläne für einen Computer mit Elektronenröhren wurden von der Regierung abgelehnt, da die Kriegsführung Vorrang hatte. Trotz seiner Zusammenarbeit mit dem Regime blieb Zuse parteilos und sah keine andere Möglichkeit, seine Arbeit fortzusetzen.
Eine Hochsprache und spätere Entwicklungen
1944 wurden Zuses Werkstatt und Baupläne bei einem Luftangriff zerstört. Dennoch begann er mit der Entwicklung der ersten Hochsprache für Programmierung, Plan Calcul, die jedoch nicht in die Praxis umgesetzt wurde.

Nach dem Krieg zog Zuse ins Allgäu, wo er 1946 das Unternehmen Zuse-Ingenieurbüro Hopferau gründete. 1949 baute er in Günfeld eine weitere Firma auf, die Zuse KG. Im selben Jahr vollendete er den Computer Z4, der nach Zürich transportiert wurde. Der Z4 war zu dieser Zeit der einzige funktionsfähige digitale Computer in Zentraleuropa. Er nutzte perforierte Lochkarten und besaß einen mechanischen Speicher mit 1024 Wörtern.
Konrad Zuse verstarb 1995 an einem Herzinfarkt. Er hinterließ seine Ehefrau Gisela Brandes und fünf Kinder.