Samstag, April 11, 2026

Digitale Identität in Deutschland: Was ist das Projekt IDunion und wie verändert es das Internet?

Im April 2021 startete in Deutschland das Projekt IDunion. Dies war nicht nur ein weiteres digitales Experiment, sondern das erste von vier Projekten, die das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) im Rahmen seines Programms „Sichere digitale Identitäten“ (Sichere digitale Identitäten) ausgewählt hatte. Der Staat suchte nach einer Möglichkeit, die digitale Identität einer Person so zuverlässig zu machen wie den Reisepass in der Tasche. IDunion wurde zu einem der Hauptkandidaten, da es eine einfache und verständliche Lösung für ein komplexes Problem versprach. Mehr dazu auf berlinfuture.eu.

An dem Projekt arbeitete ein großes Team aus 28 Partnern. Dies waren Wissenschaftler, Unternehmen, staatliche Institutionen und Finanzorganisationen. Gemeinsam schufen sie eine Plattform, die digitale Identitäten verifizieren kann. Auch Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin beteiligten sich an der Arbeit. Sie erhielten mehr als 1,5 Millionen Euro aus dem Gesamtbudget des Projekts, um komplexe Ideen in Lösungen umzusetzen, die im realen Leben funktionieren.

Warum ist die Frage „Wer bist du online?“ so wichtig geworden?

Da sich die Welt immer mehr in Richtung Digitalisierung bewegt, wird die Frage der elektronischen Identifizierung nicht weniger wertvoll als Plastik- oder Papierdokumente. Laut dem Leiter der Forschungsgruppe Service-centric Networking (SNET) an der Technischen Universität Berlin, Dr. Axel Küpper, müssen Menschen täglich beweisen, wer sie sind: bei Behördengängen, im Supermarkt, in Banken, an Universitäten oder am Arbeitsplatz. Wenn diese Prozesse für die Nutzer kompliziert und unbequem erscheinen, reagieren sie eher mit Irritation als mit Freude. Mit einfachen und benutzerfreundlichen Anwendungen sind die Menschen jedoch in der Lage, ihre Daten selbstständig zu verwalten.

Das Projekt IDunion hat einen gemeinsamen Rahmen geschaffen, mit dem die digitale Identität oder selbstverwaltete Identität einer Person – die sogenannte „SSI“ – verifiziert werden kann. Es ist vergleichbar mit einer universellen Geldbörse, nur dass sie kein Geld, sondern digitale „Zertifikate“ enthält: Wer man ist, was man tun kann und worauf man Anspruch hat. Laut Axel Küpper wurden im Rahmen des Projekts 35 verschiedene Anwendungen aus dem Alltag in der Praxis getestet. Die Tests fanden in verschiedenen Bereichen statt:
E-Government-Dienste;
Finanzwesen;
Industrie;
Smart Devices;
Medizin;
Bildung;
Online-Shopping und Mobilität.
Das Team der Technischen Universität Berlin legte besonderen Wert darauf, dass diese Lösungen nicht nur sicher, sondern auch komfortabel sind.

Ein neues Vertrauenssystem im Internet

Foto: Dr. Axel Küpper

Professor Küpper erklärte Journalisten, dass die Forscher untersuchten, ob verschiedene SSI-Systeme „dieselbe Sprache sprechen“ und ob Sicherheitslücken im System entstehen. Auch auf die Barrierefreiheit wurde geachtet, damit die Menschen das System gerne nutzen. In das Projekt waren nicht nur wissenschaftliche Gruppen eingebunden, sondern auch Abteilungen des Campus Managements der Technischen Universität Berlin sowie die Telekom Innovation Laboratories (T-Labs).

Die SSI-Technologie verleiht dem Einzelnen laut Axel Küpper gleichzeitig Freiheit und Kontrolle. Sie ermöglicht es, beliebige digitale Nachweise auf dem Telefon, dem Computer oder in einem Cloud-Dienst zu empfangen, zu speichern und vorzuzeigen. Dies können Dokumente, Genehmigungen, Zertifikate oder Zugänge sein. Für Unternehmen und Institutionen vereinfacht diese Neuerung die Überprüfung von Kunden und Partnern erheblich. Für die Bürger wiederum reduziert sie die Warteschlangen und den Papierkram, der für den Nachweis eines bestimmten Status erforderlich ist. Zudem spart es Zeit, Geld und Nerven.

Digitale Brieftasche statt Papierbescheinigungen

Dr. Axel berichtete, dass er seit vielen Jahren erforscht, ob digitale Systeme ohne eine zentrale Steuerungseinheit funktionieren können. Seine wissenschaftlichen Interessen konzentrieren sich auf verteilte Systeme wie Blockchain und Web 3.0. Man kann sie sich wie ein Gemeinschaftshaus ohne einen einzelnen Eigentümer vorstellen, in dem es viele Bewohner gibt, die gemeinsam entscheiden, wie es funktioniert. Dieser Ansatz verringert die Abhängigkeit von großen Plattformen und hebt den Effekt der geschlossenen Türen auf. In einer dezentralisierten Welt muss der Nutzer keine persönlichen Daten preisgeben, um Zugang zu Diensten zu erhalten.

Die Forschung, die von Küppers Team geleitet wurde, konzentrierte sich auf sehr praktische Fragen. Laut dem Professor ist das Hauptproblem dezentraler Systeme die Interoperabilität zwischen ihnen. Wie kann man erreichen, dass verschiedene Systeme zusammenarbeiten? Wie entsteht in einer solchen Welt Vertrauen? Und wie kann der Nutzer seine Daten selbst verwalten, ohne sie in fremde Hände zu geben? Genau diese Fragen bildeten die Grundlage für das Projekt IDunion, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Auftrag gegeben wurde. Das Team der Technischen Universität Berlin erhielt die Aufgabe zu untersuchen, wie SSI-Ideen in realen Lebenssituationen funktionieren können, und hat diese Aufgabe hervorragend bewältigt.

Digitale Identität im realen Leben

Laut dem Wissenschaftler Axel Küpper besteht die menschliche Identität aus vielen kleinen Elementen, ähnlich einem Mosaik. Einige dieser Elemente sind grundlegende persönliche Daten, andere erworbene Merkmale, die die Ausbildung, den Status oder die Erfahrung einer Person bestätigen.

Zu diesen Identitätskomponenten gehören unter anderem:
Name, Geburtsdatum, Adresse;
Bildungsabschluss;
Führerschein;
Berufsstatus und andere Erfahrungsnachweise.
In den letzten Jahren haben sich Nutzer daran gewöhnt, diese Informationen in den Cloud-Diensten großer Unternehmen zu speichern, oft ohne sich Gedanken darüber zu machen, was nach der Übertragung mit den Daten geschieht. Die Idee der selbstbestimmten digitalen Identität (SSI) besteht darin, die Kontrolle über die Daten an deren Eigentümer zurückzugeben.
Im SSI-Modell werden alle wichtigen Nachweise direkt vom Nutzer gespeichert – beispielsweise in einer digitalen Geldbörse auf dem Smartphone. Der Nutzer entscheidet, wem, wann und wie viele Informationen er preisgibt: lediglich Alter, Abschluss oder Familienstand. Dies verhindert die unnötige Offenlegung personenbezogener Daten, obwohl sich die technische Umsetzung eines solchen Systems als anspruchsvoll erwiesen hat. Laut Dr. Axel Küpper erfordert die Schaffung eines digitalen Identitätsökosystems die Abstimmung einer Vielzahl unterschiedlicher Anforderungen, Erwartungen und Regeln. Daher ist die Interoperabilität zwischen Systemen zu einer zentralen Herausforderung geworden – vergleichbar mit dem Versuch, Teile verschiedener Baukästen zusammenzufügen, die zwar ähnlich aussehen, aber nicht immer zusammenpassen.

Das Referenzmodell von IDunion

Foto: Team der Technischen Universität Berlin

Eines der Ergebnisse des Projekts IDunion war die Schaffung eines Referenzmodells. Es hilft dabei, verschiedene Protokolle, Datenformate und technische Ansätze für selbstverwaltete digitale Identitäten zu vergleichen. Laut Küpper zeigte dieses Modell auf, an welchen Stellen Systeme sich gegenseitig „verstehen“ können und über welche Schnittstellen dies möglich ist. Zusammen mit dem Zentrum für E-Government und Verwaltungsinformatik entwickelten die Universitätsmitarbeiter einen Knoten in der IDunion-Blockchain. Die IDunion-Blockchain selbst wurde zur technischen Grundlage, auf der das gesamte System der digitalen Identitäten ruht.

Das beste Beispiel war die Anwendung LISSI. Laut Axel Küpper ermöglichen gerade solche Wallets das Speichern digitaler Identifikationen und Anmeldedaten sowie die Überprüfung ihrer Echtheit in der digitalen Welt. Das Team des Projekts IDunion hat einen maßgeblichen Beitrag zur Schaffung der drei Säulen des Identitätsmanagementsystems geleistet: Interoperabilität zwischen Systemen, eine zuverlässige technische Basis und eine benutzerfreundliche digitale Brieftasche für die Anwender.

IDunion als Modell für die Welt

Das Projekt IDunion ist auch deshalb wichtig, weil es den Ansatz für digitale Spielregeln verändert. In einer Welt, in der Daten längst zur neuen Währung geworden sind, zeigt Deutschland einen anderen Weg auf, bei dem der Mensch und nicht die Plattform der zentrale Wert ist. Solche Projekte schaffen eine gemeinsame Sprache zwischen den Ländern, da digitale Identitäten keine Grenzen kennen: Ein Student nimmt an einem Austauschprogramm teil, ein Arbeitnehmer zieht um, ein Unternehmen erschließt neue Märkte. Wenn die Identität überall verständlich und vertrauenswürdig ist, wird die Welt einfacher. IDunion fungiert in diesem Sinne als Fundament – man sieht es nicht, aber genau darauf kann eine sichere und gerechte digitale Welt der Zukunft aufgebaut werden.

Quellen:

  1. https://www.tu.berlin/news/interviews/hoheit-ueber-die-eigenen-daten
  2. https://www.tu.berlin/en/about/profile/press-releases-news/2021/april/federal-ministry-for-economic-affairs-and-energy-funds-tu-partner-project-idunion
  3. https://www.ukrinform.ua/rubric-society/3316842-cifrova-identicnist-ludini-ak-ii-zahistiti.html

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