Montag, Februar 9, 2026

Der Berliner Fernsehsender „Paul Nipkow“ – Der erste Fernsehsender der Welt

Der Fernsehsender „Paul Nipkow“ ist weit weniger bekannt als ARD, ZDF, RTL oder Sat.1. Doch er war der Vorreiter für die großen öffentlichen und privaten Programme. „Paul Nipkow“ war der Name des ersten Fernsehsenders der Welt. Allerdings hatte das damalige Fernsehen nur wenig mit dem zu tun, was Berliner heute gewohnt sind. Mehr über die Gründung und die Arbeit dieses ersten Senders lesen Sie auf berlinfuture.eu.

Gründung des Senders „Paul Nipkow“

1929 begann die Radiostation Witzleben, erste Fernsehbilder zu Testzwecken in ein Labor der Berliner Post zu übertragen. Die erste öffentliche Fernsehsendung in Deutschland wurde am 18. April 1934 in der Berliner Krolloper präsentiert. Der regelmäßige Sendebetrieb startete am 22. März 1935. Reichsrundfunkdirektor Eugen Hadamovsky eröffnete die Sendestation mit den Worten: „… in dieser Stunde ist dem Rundfunk die größte und heiligste Mission aufgetragen: das Bild des Führers für immer in den Herzen aller Deutschen zu verankern.“ Später begrüßte die Ansagerin zu Beginn jeder Sendung die Zuschauer mit dem Hitlergruß. Dies war Ausdruck der damaligen Zeit. Einige Fernsehexperten sehen den Sender dennoch nicht ausschließlich als Propagandainstrument. Sie argumentieren, dass Unterhaltung ein Grundrecht sei, unabhängig von politischen Symbolen im Hintergrund. Allerdings kann dies auch als Ablenkung und somit als Propaganda interpretiert werden.

Übertragung der Olympischen Spiele

Am 29. Mai 1935 erhielt die „Fernsehgesellschaft Paul Nipkow“ ihren Namen im Rahmen einer Zeremonie zu Ehren des 75. Geburtstags des Erfinders Paul Nipkow. Der Sender erlangte große Bekanntheit im August 1936 während der Olympischen Sommerspiele in Berlin. Zahlreiche Kameras übertrugen die sportlichen Ereignisse nahezu live. Die Bilder wurden über das Zwischenfilmverfahren übertragen. Rund 160.000 Zuschauer verfolgten die Spiele auf ihren Bildschirmen. Während der Spiele bot der Sender eine besondere Dienstleistung an: den Video-Telefondienst, mit dem man Ferngespräche führen und das Gegenüber auf dem Bildschirm sehen konnte. Diese Funktion war auf Berlin und Leipzig beschränkt, die durch ein Koaxialkabel verbunden waren. Anfangs war die Reichweite des Fernsehens durch die Kabelanbindung stark eingeschränkt. Nur Berliner konnten die Übertragungen nutzen. Später kamen auch Hamburger hinzu.

Im November 1938 zeigte der Sender den Mantel eines Mannes, der eine Woche zuvor angeblich einen Taxifahrer getötet hatte. Dies war die erste Fernsehkriminalermittlung. Filme wurden selten gezeigt, da Fernsehen den großen Kinoproduktionen zunächst nicht konkurrieren wollte.

Zweiter Weltkrieg

Am 24. August 1939, sieben Tage vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurde der Sender auf Befehl des Oberkommandos der Wehrmacht geschlossen. Die für die Übertragungen genutzten Frequenzen wurden für die Luftwaffen-Navigationssysteme benötigt. Herbert Engler, der ab 1939 Direktor des Senders war, setzte sich jedoch dafür ein, das Fernsehen zur Unterstützung der Truppen einzusetzen. Durch die Einstufung der Übertragungen als „kriegswichtig“ konnte der Sendebetrieb zunächst fortgesetzt werden. Nach einer Frequenzumstellung wurde der Betrieb wieder aufgenommen.

Trotz der Zerstörung der Übertragungsanlagen bei einem Bombenangriff am 23. November 1943 konnten Fernsehsendungen über Breitbandkabel bis zum 19. Oktober 1944 fortgesetzt werden. Erst als aufgrund der Kriegshandlungen in Berlin das Personal fehlte, stellte der Sender seinen Betrieb ein. Am 2. Mai 1945 wurde die Berliner Sendestation von der Roten Armee eingenommen.

Latest Posts

....... . Copyright © Partial use of materials is allowed in the presence of a hyperlink to us.