Sonntag, Februar 8, 2026

Von der Dunkelheit zum Licht: Die Geschichte der Gasbeleuchtung in Berlin

Gaslaternen sind für Berlin das, was Gondeln für Venedig oder Straßenbahnen für San Francisco sind. Seit 1826 gehören sie zum Stadtbild. Während des Zweiten Weltkriegs gab es in Berlin etwa 80.000 Gaslaternen, von denen 80 % der Straßenbeleuchtung durch die Kämpfe beschädigt wurden. Im Gegensatz zu vielen europäischen Hauptstädten behielt und restaurierte Berlin jedoch die Gaslaternen und ersetzte sie nicht sofort durch moderne Beleuchtung. Noch im 21. Jahrhundert kann die deutsche Hauptstadt mit einer Vielzahl von Gaslaternen aufwarten, die eine besondere Atmosphäre schaffen. Keine andere Stadt der Welt besitzt mehr dieser Laternen als Berlin. Doch ihre Erhaltung erforderte erhebliche Anstrengungen. Mehr dazu lesen Sie auf berlinfuture.eu.

Wer hat die Gasbeleuchtung erfunden?

Vor der Elektrizität war das Feuer die einzige Möglichkeit, die Dunkelheit zu vertreiben. In der Antike wurden Fackeln verwendet, und um 4500 v. Chr. nutzte man Öllampen. Kerzen entstanden etwa 1500 Jahre später. In Öllampen wurden pflanzliche und tierische Fette verbrannt, während Kerzen aus Wachs und Talg hergestellt wurden. Das Licht reichte für nächtliches Lesen aus, jedoch nicht, um einen Raum zu beleuchten. Zudem erforderten Wachs und Öl ständige Pflege, einschließlich des Kürzens der Dochte.

Dies änderte sich 1792, als der schottische Erfinder William Murdoch sein Haus mit Rohren ausstattete, die Kohlengas zu Lampen leiteten, was den Beginn der Gasbeleuchtung markierte. Kohlengas wurde durch das Verbrennen von Kohle in einem geschlossenen Behälter erzeugt und war eine effektivere Lichtquelle als Kerzen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts installierten Städte wie Paris und London Gaslaternen, gefolgt von anderen Städten.

Die Wartung der Gaslaternen war jedoch umständlich: Sie mussten jeden Abend manuell angezündet und morgens gelöscht werden. Zudem war giftiges Kohlenmonoxid ein Nebenprodukt der Verbrennung, was oft zu Unfällen führte. Ab dem 20. Jahrhundert wurden Gaslaternen nach und nach durch elektrische Lampen ersetzt.

Wann kam die Gasbeleuchtung nach Berlin?

Die ersten Gaslaternen wurden 1826 auf der Allee Unter den Linden in Berlin aufgestellt. Nach 100 Jahren war die Stadt ein Zentrum der Gasbeleuchtungsindustrie, sowohl wegen der großen Anzahl an Laternen als auch aufgrund technologischer Innovationen. Eine Vielfalt an Laternenstilen und Kronleuchtern zeugt vom Fortschritt in dieser Zeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gasinfrastruktur in Westberlin wiederhergestellt, um die Abhängigkeit von einer Energiequelle zu reduzieren – ein Vorteil während der sowjetischen Blockade von 1948–1949. Für viele symbolisierten die Lampen die Unabhängigkeit vom kommunistischen Ostberlin. 1991 leuchteten etwa 44.000 Gaslaternen in Berlin.

Abriss und Erhaltungsversuche

2007 begann der Berliner Senat, den Ersatz der Gaslampen zu diskutieren, da Gas als teuer und umweltschädlich galt. Ab 2011 wurde jährlich etwa 2000 Laternen durch energieeffiziente LED-Modelle ersetzt. Historische Lampen wurden durch elektrische Nachbildungen verdrängt.

Die typische Form und das besondere Licht der Gaslaternen prägen viele Berliner Stadtviertel, insbesondere im Westen. Dennoch sieht die Stadtverwaltung keinen touristischen Nutzen darin. Andere Hauptstädte wie London und Prag fördern hingegen aktiv die Erhaltung von Gaslaternen.

2010 gründete Berthold Kuyas die Organisation Gaslicht-Kultur e.V., um für den Schutz der Gaslaternen einzutreten. Durch ihren Einsatz konnte erreicht werden, dass ein Teil der Lampen erhalten blieb.

Fünf Haupttypen von Gaslampen

Anfang 2024 gab es in Berlin noch rund 20.000 Gaslaternen. Diese Lampen überdauerten Kriege, die Berliner Mauer und weitere geschichtliche Ereignisse. Ihre Lichtqualität ist einzigartig und erzeugt eine unverwechselbare Atmosphäre.

Die Gasbeleuchtung Berlins umfasst fünf Haupttypen:

  1. Traditionelle Berliner Gaslampe: Seit 1892 in Charlottenburg und Spandau verbreitet.
  2. Aufsatzleuchte: Seit den 1920er Jahren der bekannteste Typ, der große Wohngebiete im Westen beleuchtet.
  3. Hängelampe: Seit 1906, insbesondere in belebten Straßen wie Kreuzberg.
  4. Linienlampe: Seit 1951 vor allem in Charlottenburg und Wilmersdorf.

Zylinderlampe: Seit 2000 in neuen Wohngebieten wie Gatow installiert.

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