Unter den Füßen von Millionen Berlinern und Gästen der Stadt verbergen sich wahre Schätze – U-Bahn-Stationen, die nicht nur Verkehrsknotenpunkte, sondern auch lebendige Denkmäler der Geschichte und Kunst sind. Auf dem westlichen Zweig der Linie U7, zwischen Industrievierteln und alten Straßen, liegen einzigartige unterirdische Räume verborgen – Siemensdamm, Rohrdamm, Paulsternstraße, Zitadelle, Haselhorst, Altstadt Spandau und Rathaus Spandau. Jede von ihnen ist eine eigene Geschichte, verwoben aus technischer Perfektion, architektonischer Meisterschaft und tiefem Respekt vor der Vergangenheit. Nicht umsonst hat die Berliner Verwaltung diese einzigartigen U-Bahn-Stationen im 21. Jahrhundert offiziell zu historischen Denkmälern erklärt. Mehr dazu auf berlinfuture.eu.
U7 Spandau – ein lebendiges Museum unter der Erde

Die U-Bahn-Stationen in Berlin sind mehr als nur eine U-Bahn. Sie sind eine lebendige Geschichte, die im Jahr 1902 begann. Sie wurden zum Symbol des technischen Fortschritts und des städtischen Lebens, das unaufhaltsam voranschreitet, selbst trotz der dunkelsten Seiten der Geschichte. Denn diese Untergrundbahn hat alles überlebt: die stürmischen Vorkriegsjahre, die Spaltung der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg, die kalte Realität der Berliner Mauer, die das Land in zwei Teile teilte.
Der Bezirk Spandau, an der Grenze zur ehemaligen Berliner Mauer gelegen, wurde zu einer Art Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft der Stadt. Genau hier befinden sich die einzigartigen U-Bahn-Stationen – Siemensdamm, Rohrdamm, Paulsternstraße, Zitadelle, Altstadt Spandau und Rathaus Spandau, die zu lebendigen Zeugen der Nachkriegsgeschichte Berlins wurden. In den 1970er und 1980er Jahren, als die Stadt ihr U-Bahn-Netz aktiv ausbaute, wurde der Linie U7, die von Südosten nach Nordwesten verläuft, besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Ihre Verlängerung nach Spandau war ein strategischer Schritt, der die entlegenen Bezirke mit dem Zentrum West-Berlins verband und neue Möglichkeiten für das Leben der Menschen und die Entwicklung der Stadt schuf.
Siemensdamm – der industrielle Stolz der Hauptstadt in der U-Bahn-Architektur

Die Station Siemensdamm, die im Oktober 1980 eröffnet wurde, ist ein unterirdisches Kapitel der industriellen Größe Berlins. Ihr Name leitet sich von der gleichnamigen Straße ab, die durch den Bezirk Siemensstadt verläuft, einst eine eigenständige „Fabrikstadt“, die um das Imperium des Siemens-Konzerns herum entstand. Der Architekt Rainer G. Rümmler, bekannt für seine markante Handschrift, verwendete eine zurückhaltende Farbpalette, die Blau, Stahlgrau und Schwarz kombinierte, um eine kühle, technologische Atmosphäre zu schaffen.
Die Wände schmückte er mit quadratischen Fliesen in der Farbe von Ingenieurstahl, die Decke gestaltete er dunkel mit tiefen Lichtlinien. Der Bahnsteig geriet lakonisch, ohne dekorative Mosaike oder Glasfenster – nur Funktionalität. Rümmler legte diesen Geist in die Station: Geradlinigkeit, Konstruktivität, das Fehlen von Überflüssigem, um den industriellen Rhythmus der U-Bahn-Station und des Bezirks zu betonen.
Rohrdamm – Minimalismus und Funktionalität im Herzen des technischen Bezirks

Die Station Rohrdamm, auf derselben Linie U7 gelegen, wurde gleichzeitig mit Siemensdamm eröffnet – im Rahmen der großen U-Bahn-Erweiterungskampagne nach Westen. Der Name leitet sich von der gleichnamigen Straße ab, und die Gegend selbst hat eine enge Verbindung zur industriellen Vergangenheit Berlins, insbesondere zur Wasserversorgung und zur Ingenieurinfrastruktur. Der Bahnsteig von Rohrdamm ist in einem ähnlichen Stil wie Siemensdamm gehalten, jedoch mit einer eigenen, unverwechselbaren Atmosphäre.
Auch auf dieser Station dominieren kühle Grau-, Grün- und Metalltöne, die ein Gefühl von technischer Präzision und Funktionalität vermitteln. Doch in der Gestaltung gibt es viele gerade Linien, klare geometrische Formen und ein Minimum an dekorativen Details. Zusammen mit Siemensdamm bildet diese Station eine Art Duett.
Zitadelle – eine unterirdische Festung als Erinnerung an die Vergangenheit

Auf dieser Berliner U-Bahn-Station hat man den Eindruck, in die Verliese einer alten Festung geraten zu sein. Und das ist kein Zufall. Die Station wurde nach der berühmten Zitadelle Spandau benannt – einer der ältesten und am besten erhaltenen Renaissance-Festungen in Deutschland, die sich unweit der U-Bahn befindet. Die Station wurde 1984 eröffnet, als Berlin die Linie U7 weiter aktiv ausbaute.
Das Projekt wurde erneut dem Architekten Rainer G. Rümmler anvertraut, und er ging mit Fantasie an die Arbeit. Die Wände der Station sind mit Ziegeln in sattem Rot und Gelb verkleidet, die massiven Säulen erinnern an Verteidigungsbastionen, und die gewölbten Gänge schaffen die Atmosphäre einer mittelalterlichen Festung. Es scheint, als würde jeden Moment eine Wache in Rüstung um die Ecke kommen oder das Klirren von Schwertern zu hören sein. Die Lampen an den Wänden und der Decke imitieren alte Laternen und verstärken den Eindruck von Tunneln aus dem 15. Jahrhundert.
Paulsternstraße – märchenhafte Mosaike vor dem Hintergrund industrieller Vergangenheit

Im Herzen eines unscheinbaren Industriegebiets, wo der Alltag unerschütterlich schien, schuf Rainer G. Rümmler ein besonderes Märchen – die U-Bahn-Station Paulsternstraße. Dort, zwischen kalten Betonwänden und grauem Asphalt, erblühen leuchtende Naturbilder aus Mosaik, die wie ein Portal in die Vergangenheit wirken. Sie versetzen die Bürger und Gäste Berlins zurück zu dem alten Kutschenweg, der vor über hundert Jahren an dieser Stelle verlief.
Die Straße und die Station wurden nach Paul Stern benannt – dem Besitzer eines ehemals beliebten Gasthauses. Genau dieses historische Echo inspiriert jeden, der diesen Bahnsteig betritt: Inmitten industrieller Strenge entsteht eine Schönheit, die die Erinnerung weckt. Diese Station wurde im Oktober 1984 zusammen mit mehreren anderen auf dem letzten Abschnitt der Verlängerung der U7 in Richtung Spandau eröffnet.
Haselhorst – ein Portal zu den grünen Weiten des Bezirks

Die U-Bahn-Station Haselhorst, auf der Linie U7 gelegen, wurde im selben Jahr 1984 eröffnet und war Teil der letzten Phase der großen Linienerweiterung in Richtung Spandau. Sie bedient den gleichnamigen Bezirk, der als Industrie- und Wohngebiet mit historischer Vergangenheit bekannt ist, da sich dort einst zahlreiche Befestigungsanlagen und Produktionsstätten befanden.
Der erste Eindruck von Haselhorst ist, als ob man einen modernen Bunker betreten hätte. Die Architektur ist kalt, zurückhaltend, sogar ein wenig feierlich, alles ist überwiegend in Stahlgrau- und Dunkelgrüntönen gehalten. Bei der Verkleidung dominieren Metall und Keramikfliesen, die dem Raum Stärke und Funktionalität verleihen. Der Name des Bezirks, der „Haselgehölz“ bedeutet, wurde nicht zur Grundlage für ein dekoratives Thema; Architekt Rümmler wich von dem natürlichen Bild zugunsten eines industriellen ab. Und schuf so zwischen den anderen hellen und expressiven Stationen eine originelle, kühle Stille.
Altstadt Spandau – eine architektonische Reise ins alte Spandau

Diese Station wurde im Oktober 1984 eröffnet, als Berlin eines der bemerkenswertesten U-Bahn-Erweiterungsprojekte abschloss. Der Architekt Rainer G. Rümmler, bekannt für seine Fähigkeit, Funktionalität und Atmosphäre zu verbinden, beschloss, sie zu einem originellen Vorzimmer vor dem Ausgang in die Altstadt zu machen. Die Wände verkleidete er mit dunkelroten Fliesen, die an altes Ziegelwerk erinnern, die Säulen gestaltete er massiv und bogenförmig, was das Gefühl eines Saals in einem mittelalterlichen Palast oder Kloster erzeugt.
Die Beleuchtung gestaltete er warm und gedämpft, sodass sie die Details sanft hervorhebt, wie Kerzen in einem Steinsaal. Durch die unternommenen Anstrengungen entstand eine Art kreatives Portal, das aus dem modernen Berlin in eine Welt versetzt, in der die Vorstellungskraft das Echo von Kanonen, die Schritte von Soldaten auf den Mauern und die Stimmen von Händlern auf dem Markt heranträgt. Der Architekt verwendete ein Minimum an Dekor, um die Aufmerksamkeit vor allem auf die Geschichte des Ortes zu lenken.
Rathaus Spandau – Geschichte und Moderne nebeneinander

Sobald man an der Station Rathaus Spandau aussteigt, fällt einem als Erstes der hohe rote Turm auf, der sich über den Platz erhebt. Er ist wie ein Leuchtturm inmitten der Steinvierte, der nicht nur die Richtung weist, sondern auch vom unabhängigen Stolz der ehemals eigenständigen Stadt erzählt. Schon bevor Spandau 1920 Teil Berlins wurde, gab es dort eine Festung und eine Handwerkerstadt, in der das Rathaus ein Symbol der Macht blieb.
Daher setzte der Architekt Rainer G. Rümmler bei der Gestaltung der Station auf eine farbliche Gestaltung. Die Wände an den Gleisen verkleidete er mit weißen Kacheln, während er die Säulen schwarz ließ und einen schwarzen Streifen entlang der Gleiswand zog. Die Leuchten gestaltete er wie in der benachbarten Station „Altstadt Spandau“ – mit warmem Licht, wie Kerzen in einem Steinsaal. Es entstand eine originelle Kombination aus zwei verschiedenen Epochen, weshalb viele Besucher der Stadt an der Station anhalten, um dieses erstaunliche Flair einzufangen.
Die Berliner U-Bahn als Kulturerbe

Wie viele U-Bahn-Stationen es in Berlin gibt, wissen alle Stadtbewohner: 173 und 9 Linien. Auch im Internet lässt sich leicht herausfinden, wo die nächste U-Bahn-Station liegt oder wann eine Busfahrt von Berlin an den U-Bahnhöfen geplant ist. Aber nicht jeder weiß, dass von dieser Anzahl nur 88 unter staatlichem Schutz stehen. Die Anerkennung auch der oben genannten sieben Stationen als historische Denkmäler ist ein Ausdruck des Respekts vor der Vergangenheit, der es ermöglicht, die einzigartige Atmosphäre und den architektonischen Stil zu bewahren, der von den Seiten der Stadtgeschichte erzählt.
Der besondere Schutz garantiert, dass diese unterirdischen Perlen nicht dem Druck der Zeit oder der Modernisierung zum Opfer fallen, sondern im Gegenteil – weiterleben und jeden Fahrgast an die Kontinuität des städtischen Lebens, das Erbe Berlins und die Kraft der Wiedervereinigung erinnern. So bewahrt die deutsche Hauptstadt nicht nur ihre Gebäude, sondern auch das Gedächtnis der U-Bahn-Stationen, das in einem Raum geformt wird, in dem Vergangenheit und Gegenwart auf jedem Bahnsteig aufeinandertreffen.
Quellen: