Montag, Februar 9, 2026

Deutscher Fernsehfunk – die Fernsehstimme der DDR und ihre Geschichte

In Deutschland spielte das Fernsehen seit jeher eine weitaus größere Rolle als nur eine gewöhnliche Unterhaltungsquelle – es war ein mächtiges Instrument zur Beeinflussung, Meinungsbildung und sogar zum Kampf der Ideologien. Besonders spürbar war dies während des Kalten Krieges, als der Bildschirm zur Arena der Konfrontation zwischen West und Ost wurde. In dieser Medienschlacht nahm der Deutsche Fernsehfunk (DFF) – das Hauptfernsehen der DDR – einen besonderen Platz ein. Er wurde nicht nur zum Sprachrohr der Sozialistischen Einheitspartei, sondern auch zum täglichen Begleiter von Millionen Bürgern. Nachrichten, Kindersendungen, Konzerte und Filme – alles war von Ideologie durchdrungen, blieb aber dennoch ein Teil der häuslichen Gemütlichkeit. Weiterlesen auf berlinfuture.eu.

Wie das Fernsehen in Ostdeutschland entstand

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die sowjetische Besatzungszone in Deutschland zu einem Experimentierfeld für Medien mit klarer ideologischer Ausrichtung. Im Herbst 1945 genehmigte Marschall Georgi Schukow, der damals die Sowjetische Militäradministration leitete, den Radioempfang in der Zone – „zum Zwecke der politischen Information der deutschen Bevölkerung“. Drei Monate später wurde das gesamte Rundfunksystem offiziell der neu geschaffenen Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung unterstellt. Dort wurde umgehend eine spezielle Abteilung gebildet, die sich innerhalb eines Jahres zu einer schlagkräftigen Struktur entwickelte – der Generaldirektion des Deutschen Demokratischen Rundfunks. Deren Leiter, Hans Mahle, erließ im Dezember 1946 eine Direktive: Der Rundfunk müsse zentralisiert, kontrolliert und politisch ausgewogen sein.

Nach der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 wurde dieses gesamte System nahtlos in das Volksbildungsministerium des neuen Staates integriert. Die ersten Entwürfe für das Gebäude des Berliner Fernsehzentrums in Adlershof stammten vom Architekten Wolfgang Wunsch. 1951 wurden die Arbeiten abgeschlossen, und im Februar 1952 wurde auf dem Turm des Alten Stadthauses in Berlin ein leistungsstarker Videosender für Testübertragungen montiert. Bereits am 3. Juni wurde das Fernsehzentrum in Adlershof über eine Richtfunkverbindung mit dem Stadthaus verbunden, was den Start des experimentellen Sendebetriebs markierte. Wenige Wochen später wurde auch die erste Fernsehredaktion gebildet.

Fernsehen im Schatten der Berliner Mauer

Am 21. Dezember 1952 wurde erstmals ein Pilotprogramm des Deutschen Fernsehfunks ausgestrahlt – genau damit begann die Geschichte des staatlichen Fernsehens der DDR. Der reguläre Sendebetrieb wurde erst vier Jahre später aufgenommen, doch schon damals richtete sich der Kanal trotz seiner geringen technischen Reichweite nicht nur an die Zuschauer im Osten, sondern auch an die Bewohner des Westens. Gleichzeitig entwickelte sich in der BRD ein eigenes Fernsehen – das Deutsche Fernsehen, dessen Signal problemlos die Bewohner jenseits der Grenze erreichte. So wurde das Fernsehen in Deutschland nicht nur zu einem Fenster zur Welt, sondern auch zu einem Schauplatz des Systemkampfes.

Mit dem Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 verschärfte sich dieser Kampf nur noch: Die Ideologie wurde nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern ausgestrahlt – klar, scharf und zielgerichtet. Der DFF expandierte schrittweise: Ab 1969 wurde ein zweiter Kanal mit kulturellem Schwerpunkt gestartet, und einige Sendungen wurden in Farbe ausgestrahlt – damals ein echter Durchbruch. 1972 erhielt der Sender im Rahmen einer umfassenden Reform, die das Programm weniger streng und unterhaltsamer machen sollte, einen neuen Namen – Fernsehen der DDR. Doch hinter den Kulissen blieb dieselbe zentralisierte Maschinerie – jedes Wort, jeder Beitrag hatte eine ideologische Rechtfertigung.

Von Märchen bis zu Parteitagen

Das Fernsehen der DDR hatte, wie der Staat selbst, eine klare Aufgabe: nicht nur zu unterhalten, sondern auch zu erziehen. Und die Übertragungen des Deutschen Fernsehfunks liefen nach festgelegten Regeln ab. Zur Hauptsendezeit wurden ideologische Sendungen gezeigt. Die bekannteste war „Der schwarze Kanal“, in dem der Journalist Karl-Eduard von Schnitzler einmal pro Woche mit Ironie, Tadel und parteilicher Direktheit Ausschnitte aus den Fernsehnachrichten der BRD analysierte. Es gab auch die „Aktuelle Kamera“ – die täglichen Nachrichten, die die Welt ausschließlich aus der Perspektive der „Errungenschaften des Sozialismus“ darstellten. Dies war die wichtigste Nachrichtensendung des Landes, in der feierlich über die Übererfüllung der Pläne in den Kohlegruben, Regierungstreffen und Besuche von Delegationen aus befreundeten Ländern berichtet wurde.

Jedoch gab es auch wahre Perlen: Kulturkonzerte, Theateraufführungen aus Berliner Theatern und beliebte historische Serien wie „Archiv des Todes“ über sowjetische Spione im feindlichen Hinterland. Und natürlich Sportereignisse, die die Zuschauer nicht weniger liebten als in der BRD. Olympiaden, Spiele der DDR-Nationalmannschaft und legendäre Duelle mit der BRD lösten unglaubliche Emotionen aus. Die damaligen Ideologen kümmerten sich auch um Unterhaltungssendungen und Filme. Eine wahre Legende unter den DFF-Zuschauern wurde die Krimiserie „Polizeiruf 110“ – die ostdeutsche Antwort auf den populären westdeutschen „Tatort“. Dieser Krimi mit Intrigen, Ermittlungen und spannenden Handlungen fesselte Millionen von Zuschauern und verwandelte einen gewöhnlichen Abend in ein echtes Unterhaltungserlebnis. Und zur Auflockerung und für gute Laune schenkte der DFF den Zuschauern „Ein Kessel Buntes“ – eine Unterhaltungsshow, die mit Musik, Tanz und geistreicher Satire die strenge Parteiatmosphäre durchbrach und Farbe in den Alltag der Zuschauer brachte.

Wie wurde das Sandmännchen zum beliebtesten Helden der DDR?

Wenn es in der DDR einen Fernsehhelden gab, den alle verehrten – von dreijährigen Kindern bis zu müden Eltern nach der Arbeit – dann war es ohne Zweifel das Sandmännchen. Der Märchenheld, der den Kindern den Sand für den Schlaf brachte, wurde zu einem wahren Symbol der Kindheit für Millionen ostdeutscher Kinder. Er wurde täglich gezeigt, und selbst Erwachsene erinnerten sich mit Wärme an diesen Freund aus Kindertagen, wenn sie die Titelmelodie hörten.

Erstmals erschien er am 22. November 1959 auf den Bildschirmen – eine winzige Puppenfigur mit Bart, Mantel und Hut, die mit verschiedenen Fahrzeugen reiste. Jeden Abend kam er zu den Kindern, um „Gute Nacht“ zu sagen und eine kurze Geschichte zu erzählen. Obwohl das Sandmännchen einen Konkurrenten hatte – auch in der BRD wurde ein eigenes Sandmännchen geschaffen – siegte die ostdeutsche Version. Sie war technisch ausgereifter, kreativer und liebenswerter. Sogar nach der Wiedervereinigung Deutschlands verschwand das Ost-Sandmännchen nicht im Archiv des Deutschen Fernsehfunks, sondern blieb auf den Bildschirmen. Im 21. Jahrhundert ist es auf den Kanälen ARD und KiKA zu sehen.

Ein Fernsehen, das das Land spaltete

Das Fernsehen der DDR blieb ein Ort, an dem man mehr zwischen den Zeilen las, als man vom Bildschirm hörte. Und alles, was den Moderatoren nicht zu sagen erlaubt war, lernten die Zuschauer in den Augen der Sprecher, in den Pausen zwischen den Sätzen und in der Wahl der Melodien zu erkennen. Und das war eine eigene Sprache des televisuellen Ostens. Erst 1989, zusammen mit den politischen Veränderungen, begann sich auch auf dem Bildschirm etwas zu ändern. Die regionalen Studios erhielten mehr Freiheit und das Fernsehen selbst eine Chance zur Erneuerung. Im März 1990 kehrte der Senderverbund kurzzeitig zu seinem alten Namen Deutscher Fernsehfunk zurück, doch das war bereits der letzte Akkord. Ende desselben Jahres stellte der Sender seinen Betrieb ein – gemäß dem Einigungsvertrag. Die Geschichte des DFF endete und hinterließ ein Archiv voller Aufnahmen, Ideen und eines Kampfes auf den Frequenzen, die einst das Land geteilt hatten.

Für die Bewohner des Ostteils Berlins war der Deutsche Fernsehfunk nicht nur eine Informationsquelle, sondern auch ein Fenster zu einer Welt, die auf der anderen Seite der Mauer blieb. In einer zweigeteilten Stadt wurde der Fernseher zur einzigen Möglichkeit, eine Verbindung zum großen Staat und gleichzeitig zur Außenwelt zu spüren. Für viele wurde der DFF zu einem Teil des täglichen Rituals: Nachrichten, ein Märchen für die Kinder, Konzerte, politische Reden – alles erklang vom Bildschirm im vertrauten Takt. Und selbst wenn die Berliner westliche Kanäle „einfingen“, blieb der DFF das, was die Straßen von Adlershof mit den Küchen der einfachen Bewohner verband. Im Schatten der Berliner Mauer wurde das Fernsehen zur Stille, in der der Staat erklang.

Quellen:

  1. https://www.deutsche-kinemathek.de/de/besuch/ausstellungen/fokus-deutscher-fernsehfunk
  2. https://www.bpb.de/themen/medien-journalismus/medienpolitik/500671/fernsehen-der-ddr-staatsfernsehen/
  3. https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/GuS_08_Staatliches%20Rundfunk-%20und%20Fernsehkomitee.pdf
  4. https://www.alamy.com/stock-photo/ddr-deutscher-fernsehfunk.html?blackwhite=1&sortBy=relevant

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