Montag, Februar 9, 2026

Die innovative Heizkraftwerk Reuter West – Europas größter Wasserkocher

Seit der Mensch zum ersten Mal Tierfelle trug, erkannte er, dass Wärme auch künstlich erzeugt werden kann, nicht nur durch die Sonne oder ein Lagerfeuer. Seitdem sucht die Menschheit nach Möglichkeiten, sich zu wärmen. Über die Jahrhunderte hinweg wurden verschiedenste Methoden genutzt: Lagerfeuer, Geysire, Vulkane, Kohleverbrennung, Kleidung, alkoholische Getränke oder Bewegung. Im 20. und 21. Jahrhundert haben sich Technologien wie Solarzellen, Wind- und Wasserkraft als effizient erwiesen. Dennoch existieren in fortschrittlichen Ländern wie Deutschland noch traditionelle Methoden. In Berlin befindet sich eines der größten Kohlekraftwerke Europas – das Reuter West. berlinfuture.eu berichtet über die Innovationskraft dieses Kraftwerks und seine heutige Bedeutung.

Wichtige Fakten zum Kraftwerk

Das Heizkraftwerk Reuter West wird mit Kohle betrieben und liegt im Berliner Stadtteil Siemensstadt. Es hat eine Leistung von 300 MW. Die Blöcke wurden Ende der 1980er Jahre in Betrieb genommen. Es ist das größte Kraftwerk Berlins. Bei voller Auslastung versorgt es 500.000 Berliner mit Wärme und 1 Million Einwohner mit Strom. Betrieben wird die Anlage vom Unternehmen Vattenfall, das Energie produziert, kauft, verkauft und Anlagen baut sowie betreibt.

Die Turbinen stammen vom Unternehmen Siemens.

Vorgänger: Kraftwerk Oberhavel

Heizkraftwerke kombinieren Strom- und Wärmeproduktion. In Berlin wuchs nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere im Westteil der Stadt unter der Kontrolle der USA, Großbritanniens und Frankreichs, der Bedarf an Energie. In den 1970er Jahren plante man ein neues Kraftwerk, zunächst am Standort des älteren Kraftwerks Oberhavel. Dieses wurde 1910 im damaligen Industriegebiet Spandau gebaut und 1914 ans Netz angeschlossen. Während des Ersten Weltkriegs wurde es erweitert, da die Nachfrage stieg. Seine Lage am Oberhavelkanal ermöglichte den Kohletransport per Barge und Eisenbahn.

Von Beginn an gab es Proteste gegen Lärm und Umweltverschmutzung des Kraftwerks. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage wiederaufgebaut. 1959 erfolgte eine Erweiterung mit einem 120 Meter hohen Schornstein. Dennoch entschieden die Behörden, das Kraftwerk zu schließen und eine neue Anlage zu bauen.

Bau des Kraftwerks Reuter West

Nach mehreren Standortwechseln fiel 1978 die Entscheidung, das neue Kraftwerk neben dem bestehenden Heizkraftwerk Reuter zu errichten, das seit 1931 Wärme für Berliner Haushalte produzierte. Der Bau stieß auf Herausforderungen: Der nahegelegene Flughafen Tegel musste berücksichtigt werden, und die Höhe des Schornsteins wurde auf 122 Meter begrenzt. Auf Basis aerodynamischer Tests passte man das Design der Anlage an, reduzierte die Höhe der Kühltürme und Schornsteine und optimierte den Querschnitt der Kessel.

Das Kraftwerk wurde an ein 380-kV-Netz mit 50 Hz angeschlossen. Ein markanter Betonturm von 66 Metern Höhe fungiert als Schaltanlage.

Kritik von Umweltschützern

Kohlekraftwerke stehen in Deutschland unter Kritik. Auch wenn viele Anlagen auf Gas oder erneuerbare Energien umgestellt werden, bleiben einige in Betrieb. Heizkraftwerk Reuter West wird für hohe Emissionen von Schwefel, Stickoxiden, Feinstaub und Schwermetallen kritisiert, trotz Filteranlagen aus den 1980er Jahren.

Leistung zur Wassererwärmung

Seit 2019 verfügt das Kraftwerk über eine Heizleistung von 120 MW mit drei 40-MW-Kesseln. Diese können Wasser erwärmen, was 60.000 herkömmlichen Wasserkochern entspricht. Die Umstellung von Kohle auf erneuerbare Energien soll spätestens bis 2030 erfolgen. Das Projekt umfasst Investitionen von 100 Millionen Euro, darunter ein 56.000 m² großer Wärmespeicher, der bis Ende 2022 an das Berliner Fernwärmenetz angeschlossen werden sollte.

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