Montag, Februar 9, 2026

Rathausbrücke, oder die Lange Brücke – ein altes und innovatives Denkmal Berlins

Berlin ist zwar nicht Venedig, aber auch hier liegt die alte Innenstadt größtenteils auf dem Wasser und wird von den Fluten der Spree umspült. Daher ist es nicht überraschend, dass die deutsche Hauptstadt viele Brücken hat – sowohl Fußgänger- als auch Straßen- und Eisenbahnbrücken. Die Publikation berlinfuture.eu erzählt über eine der ältesten Berliner Brücken, die heute ein interessantes und in vieler Hinsicht innovatives architektonisches Denkmal ist.

Die Geschichte der Brücke seit ihrem Bau

Die Rathausbrücke (oder einfach die Lange Brücke) steht an den Ufern der Spree im Berliner Bezirk Mitte und verbindet den Schlossplatz (heute Museumsinsel, früher die Stadt Cölln, die neben Berlin entstand und von dieser später einverleibt wurde) mit der Rathausstraße. Die Brücke wurde bereits im 14. Jahrhundert gebaut, das genaue Datum ist jedoch nicht bekannt. Quellen aus jener Zeit belegen jedoch, dass an der Stelle der heutigen Brücke im Jahr 1307 eine einfache Flussüberquerung existierte. Diese stand auf 14 Pfeilern, sogenannten „Böcken“, die im Wasser lagen. Aufgrund ihrer Länge nannten die Einheimischen sie die Lange Brücke. Eine Besonderheit der Konstruktion war, dass Schiffe anlegen konnten, sie aber aufgrund der geringen Höhe der Brücke nicht darunter hindurchfahren konnten. Später entwickelten sich Berlin und Cölln weiter, und es wurde beschlossen, auf der Brücke ein Rathaus zu errichten. Dieses Vorhaben wurde jedoch im 14. Jahrhundert nicht verwirklicht, möglicherweise aus Geldmangel.

Die Brücke vom 16. bis zum 20. Jahrhundert

In den folgenden Jahren war die Brücke häufig reparaturbedürftig, weshalb die alte Brücke abgerissen und an ihrer Stelle eine neue errichtet wurde. Dies geschah im 17. Jahrhundert, und die neue Holzbrücke wurde 1661 unter Kurfürst Friedrich III. fertiggestellt. Dafür zahlte die Stadt 400 Taler (eine beträchtliche Summe für jene Zeit) und stellte Holz als Material bereit. Was erhielt Berlin dafür? Nichts Besonderes oder Innovatives – eine gewöhnliche, durchschnittliche Konstruktion ohne Verzierungen, mit niedrigen Geländern und einem hölzernen Weg, der mit Sand bestreut war. Ein Rathaus gab es auch hier nicht.

Nach 30 Jahren wurde beschlossen, die Brücke erneut umzubauen. Dieses Mal war der Kurfürst der Initiator der Rekonstruktion. Er beauftragte den Architekten Johann Arnold Nering, anstelle der Brücke ein Bauwerk zu errichten, das dem Zeitgeist entsprach. Nering machte sich unverzüglich an die Arbeit. Es wurde beschlossen, die Brücke aus Stein zu bauen, ähnlich wie Konstruktionen, die bereits in anderen europäischen Städten existierten. Dem Architekten half der Ingenieur Jean Louis Cayart. Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1692 und wurden am 5. November 1694 abgeschlossen.

Die neue Brücke bestand aus einem langen Bogen, der auf fünf Pfeilern ruhte. Außerdem wurde 1703 auf der Brücke eine Reiterstatue des Großen Kurfürsten von Brandenburg aufgestellt, der seinen Kopf vom Schloss abgewandt hielt. 1695 wurde die Brücke geschmückt. Bis dahin war sie ein einfacher Steinübergang über die reißende Spree.

Die Brücke befand sich an einem bedeutenden Ort und wurde daher intensiv von Fußgängern, Kutschen und Lasttransporten genutzt. Dies führte zu ihrer Abnutzung, weshalb seit ihrem Bau zahlreiche Reparaturen durchgeführt wurden. Eine umfassende Renovierung erfolgte jedoch erst 1817–1819 unter der Leitung von Karl Friedrich Schinkel. Dabei wurde die Brücke verbreitert und der Fluss darunter vertieft, sodass Lastkähne hindurchfahren konnten.

75 Jahre später, im Jahr 1895, wurde die Brücke erneut umgebaut. Zu dieser Zeit bestand sie aus drei Bögen und hieß Kurfürstenbrücke. Das Denkmal darauf wurde erneut eingeweiht. Die Brücke hatte nun eine Fahrbahn von 10 Metern Breite für Reiter, Automobile und Kutschen sowie Gehwege von 4 Metern Breite für Fußgänger.

Zweiter Weltkrieg und die Brücke

Bis zum Zweiten Weltkrieg behielt die Brücke diese Form. Während der Schlacht um Berlin im Jahr 1945 wurde sie jedoch beschädigt, als die Nationalsozialisten versuchten, die vorrückenden sowjetischen Truppen aufzuhalten. Nur der mittlere Teil der Brücke blieb erhalten. Die Statue des Kurfürsten wurde entfernt und sank im Tegeler See.

Nach dem Krieg wurde die Brücke zunächst durch eine provisorische Holzkonstruktion ersetzt. Ab 1946 entwarf der Architekt Richard Ermisch Skizzen für ein neues Brückenprojekt. Zwischen 1947 und 1949 ersetzten Stahlträger die hölzernen Teile der Brücke. Der beschädigte Fundamentbereich machte es jedoch unmöglich, dass Fahrzeuge die Brücke überquerten. 1952 wurde dieser Teil der Brücke durch eine Stahlträgerkonstruktion mit einer Fahrbahn aus Stahlbeton ersetzt. Während des Baus des Palasts der Republik in den Jahren 1974–1976 wurde diese Konstruktion durch eine längere und stabilere ersetzt. Die Brücke blieb jedoch nur für Fußgänger und Radfahrer zugänglich. Die Reiterstatue des Kurfürsten wurde kurz nach dem Krieg vor dem Schloss Charlottenburg aufgestellt.

Die Brücke im vereinten Deutschland

Der Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 führte dazu, dass die gesamte Verwaltung Berlins endlich in einer einzigen Hand lag. 1999 wurde ein Wettbewerb für den Entwurf einer neuen Brücke ausgeschrieben. Die Auftraggeber wollten eine lange Spannweite ohne zentrale Pfeiler. Der Architekt Walter A. Noebel gewann den Wettbewerb mit einem modernen, innovativen Entwurf aus Stahlbeton. Die Bauarbeiten begannen 2009, doch Schwierigkeiten verzögerten den Fortschritt. Schließlich wurde die neue Brücke im Jahr 2012 offiziell eröffnet.

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