Dienstag, August 11, 2026

Nachhaltige Architektur: Das Konzept der „Schwammstadt“ und energieeffiziente Fassaden in der Berliner Stadtentwicklung

Starker Starkregen ist für eine Großstadt nicht nur eine Laune des Wetters, sondern auch eine Belastungsprobe für die städtische Infrastruktur. Wenn das Wasser nicht schnell genug im Boden versickern kann, überlastet es die Kanalisation, überschwemmt Straßen und nach heißen Tagen leidet die Stadt unter Wassermangel. In Berlin löst man dieses Problem anders: Das Regenwasser wird nicht eilig abgeleitet, sondern im Stadtgebiet gehalten, um einen Nutzen zu bringen. Mehr dazu lesen Sie weiter auf berlinfuture.eu/de.

Darin liegt das Hauptziel des Prinzips der „Schwammstadt“ (Schwammstadt). Das System verbindet Architektur, Begrünung und Ingenieurlösungen: Dächer speichern Wasser, grüne Fassaden kühlen Gebäude und spezielle Systeme helfen der Feuchtigkeit, nach und nach in den Boden zurückzukehren. Die Architektur Berlins berücksichtigt diese Prinzipien bei der Planung von Wohnquartieren und der Sanierung historischer Areale.

Wie funktioniert das System?

Nach einem Regen verschwindet das Wasser in Berlin nicht einfach im nächsten Gully. Für das Wasser wird vorab ein eigener Weg angelegt. Zunächst wird es auf einem Gründach zurückgehalten, fließt dann in den Hof oder auf eine speziell gestaltete Grünfläche und versickert von dort allmählich im Boden oder gelangt in einen unterirdischen Speicher. Dieser Weg wird als Kaskadenprinzip bezeichnet, da das Wasser mehrere Stufen durchläuft.

Dazu werden in Berlin verschiedene architektonische und ingenieurtechnische Lösungen eingesetzt:

  • Gründächer – halten einen Teil des Regenwassers zurück und helfen, das Gebäude zu kühlen;
  • grüne Vertiefungen (Mulden) – nehmen Wasser von Dächern und Wegen auf und geben ihm Zeit, im Boden zu versickern;
  • unterirdische Versickerungssysteme (Rigolen) – lassen das Wasser langsam in den Boden sickern;
  • unterirdische Zisternen – speichern Regenwasser für die Bewässerung und Betriebszwecke;
  • wasserdurchlässige Beläge – lassen Niederschläge durch die Oberfläche dringen, anstatt sie in die Kanalisation zu leiten;
  • temporäre Rückhalteflächen – nehmen bei Starkregen überschüssiges Wasser auf.

Alle diese Komponenten arbeiten als gemeinsames System. Dieser Prozess lässt sich im Schumacher Quartier beobachten, wo der Regenwasserstrom den gesamten Weg innerhalb des Quartiers durchläuft: Von den Gründächern gelangt er in die Höfe und Verdunstungsbeete und versickert anschließend langsam im Boden. Dadurch bleibt das Wasser im Quartier, versorgt die Grünanlagen und entlastet die städtische Kanalisation.

Wer steht hinter dem Konzept der „Schwammstadt“?

An dem Projekt „Schwammstadt“ arbeiteten Architekten, Ingenieure, Ökologen und Wasserwirtschaftler, und auch in den 2020er Jahren wird das System weiterentwickelt. Eine der führenden Organisationen wurde die Berliner Regenwasseragentur, die bei der Umsetzung von Lösungen zur effizienten Nutzung von Niederschlägen bei Neubauten und der Quartierserneuerung unterstützt.

Die Leiterin der Agentur, Darla Nickel, bezeichnet jedes neue Bauprojekt als Chance, die Stadt klimaresilienter zu machen. Einen bedeutenden Beitrag zur Verbreitung dieser Idee leistete auch der Landschaftsarchitekt Carlo Becker. Er war es, der den Begriff „Schwammstadt“ geprägt und registriert hat, welcher später in ganz Deutschland weite Verbreitung fand.

Laut Carlo Becker ist die Funktionsweise der „Schwammstadt“ kaum wahrnehmbar. Unterirdische Rigolensysteme sind unter Plätzen verborgen, Zisternen unter Höfen, und die Ingenieurlösungen werden erst bei starkem Niederschlag sichtbar. Genau darin liegt der Kerngedanke: Die Stadt kämpft nicht gegen den Regen, sondern lernt, ihn als natürliche Ressource zu nutzen.

Architektonische Lösungen, die bereits funktionieren

Eines der ersten Wohnquartiere, in denen solche Lösungen komplex angewendet wurden, war das Areal der Rummelsburger Bucht. Bereits Mitte der 1990er Jahre bewies dieses Projekt, dass sich modernes Regenwassermanagement als fester Bestandteil in die Wohnbebauung integrieren lässt.

Das Prinzip der „Schwammstadt“ ist umgesetzt am:

  • Potsdamer Platz – beweist, dass sich solche Lösungen selbst im dicht bebauten Stadtzentrum integrieren lassen;
  • Gendarmenmarkt – selbst im historischen Zentrum verändern diese Lösungen nicht das Erscheinungsbild des Raumes;
  • den Buckower Feldern – dort wurde das Regenwassermanagementsystem bereits vor dem Bau der Häuser eingeplant.

Gerade solche Projekte zeigen, dass eine klimaresiliente Architektur für Berlin zu einem integralen Bestandteil der Stadtplanung und nicht zu einem isolierten Experiment geworden ist. Denn der Nutzen dieser Innovationen ist wissenschaftlich belegt.

Welche weiteren Berliner Quartiere arbeiten nach den neuen Regeln?

Eines der bekanntesten Beispiele ist das Schumacher Quartier auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel (Flughafen Tegel). Das Projekt ist für mehr als 10.000 Bewohner ausgelegt und dient als eines der zentralen Testfelder für moderne Lösungen zur Klimaanpassung. Dort verbleibt das Regenwasser komplett im Quartier, was angesichts von mehr als 30 Hektar Grünflächen von großer Bedeutung ist.

In das Bebauungskonzept flossen zudem der Holzbau sowie Prinzipien der tiergerechten Gestaltung (Animal-Aided Design) ein. Ein weiteres Beispiel ist der Wissenschaftsstandort Adlershof (Adlershof), wo viele Gebäude nach den Prinzipien einer wassersensiblen Bebauung entworfen wurden. Dort befindet sich auch das Institut für Physik der Humboldt-Universität (Humboldt-Universität) mit einem grünen Fassadensystem, das zu einem der Wahrzeichen des Quartiers wurde.

Wie wurden grüne Fassaden zum Bestandteil der Klimaarchitektur?

Pflanzen an Gebäudewänden werden in Berlin als Teil eines Systems genutzt, das der Stadt bei der Bewältigung mehrerer wichtiger Aufgaben hilft. Dazu werden Kletterpflanzen direkt im Boden gepflanzt oder wandgebundene Fassadenbegrünungen (Living Walls) mithilfe spezieller Paneele mit automatischer Bewässerung geschaffen.

Grüne Fassaden sind sehr wichtig, weil sie:

  • Wände kühlen und deren Aufheizung im Sommer reduzieren;
  • helfen, Energie für die Gebäudekühlung zu sparen;
  • Straßenlärm dämpfen;
  • die Luft reinigen, indem sie Staub und einen Teil der Schadstoffe zurückhalten;
  • Regenwasser zurückhalten und dessen schnellen Abfluss verringern;
  • zum Lebensraum für Insekten und Vögel werden.

Die Wirksamkeit solcher Systeme wird durch Untersuchungen der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) bestätigt. Wissenschaftler haben nachgewiesen: Grüne Fassaden können die Wandtemperatur um bis zu 15,5 °C senken, und der Kühlbedarf von Gebäuden sinkt je nach Fassadentyp um 6–62 %. Zu sehen sind grüne Fassaden am Gebäude des Instituts für Physik (Institut für Physik) in Adlershof (Adlershof) sowie an einem Wohngebäude im Ortsteil Kreuzberg (Kreuzberg). Dort wurden vertikale Gärten zum Bestandteil der Fassade gemacht.

Programme zur Förderung des grünen Bauens

In Berlin gehören grüne Dächer und Fassaden längst zum gewohnten Bild der Neubebauung. Dazu tragen auch städtische Programme bei. GründachPLUS erstattet einen Teil der Kosten für die Begrünung von Dächern und Fassaden. Und der Biotopflächenfaktor (Biotopflächenfaktor) verhindert die vollständige Versiegelung von Grundstücken mit Beton – ein Teil der Fläche muss grün bleiben oder Regenwasser im Boden versickern lassen.

In der Stadt gilt zudem das Prinzip des „blau-grünen Bauens“ (Blau-grünes Bauen). Das bedeutet, dass sich Bäume, Rasenflächen, Gründächer und Regenwassersammelsysteme gegenseitig ergänzen. Während Bäume Schatten spenden, halten Dächer das Regenwasser zurück, und Grünflächen helfen ihm, im Boden zu versickern.

Vom lokalen Projekt zum internationalen Vorbild

Die Architektur Berlins ist vielfältig, daher überrascht es nicht, dass sich auch Platz für 20.000 Gründächer fand, deren Gesamtfläche mehr als 650 Hektar beträgt. Und mit jedem neuen Wohnquartier werden es mehr solche Gebäude, denn für die Hauptstadt ist das System der „Schwammstadt“ längst kein modischer Trend mehr, sondern eine sehr wertvolle und nützliche Praxis.

In der Hauptstadt wurde bewiesen: Regenwasser muss nicht nur schnell abgeleitet werden, sondern kann zum Wohl der Stadt genutzt werden. Genau deshalb wird dieser Erfahrungsschatz nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern Europas studiert, wo ebenfalls Prinzipien der „Schwammstadt“ umgesetzt werden.

Quellen:

  1. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/klimawandel-berlin-schwammstadt-starkregen-1.5411754
  2. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/schwammstadt-staedtebau-berlin-101.html
  3. https://schumacher-quartier.de/en/our-overall-concept/
  4. https://www.entwicklungsstadt.de/versuchsanlage-fuer-verdunstungsbeete-eroeffnet-berlin-txl-wird-zum-labor-der-schwammstadt/
  5. https://www.berlin.de/sen/stadtentwicklung/quartiersentwicklung/staedtebaufoerderung/nachhaltige-erneuerung/aktuell/schwammstadt-rummelsburger-bucht-1440707.php
  6. https://unternehmen.howoge.de/expertise-bau/schwammstadt.html
  7. https://www.berlin.de/sen/uvk/natur-und-gruen/landschaftsplanung/bff-biotopflaechenfaktor/bff-berechnung/
  8. https://toni-park.de/toni-park-beitraege/was-ist-eine-schwammstadt/
  9. https://www.treffpunkt-kommune.de/schwammstadt/

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