Die Geschichte der Berliner Architektur wäre unvollständig ohne die Erzählung von der evangelischen St.-Marien-Kirche (Marienkirche). Sie ist das älteste Bauwerk der Stadt und eines der sechs ältesten mittelalterlichen Gebäude im historischen Zentrum der deutschen Hauptstadt. Näheres zu diesem bemerkenswerten Sakralbau erfahren Sie auf berlinfuture.eu.

Bau und Restaurierungen im Laufe der Jahrhunderte
Die erste Erwähnung der St.-Marien-Kirche stammt vom 3. Januar 1292. Historiker datieren ihren Bau jedoch auf das Jahr 1270. Sie befindet sich im Berliner Stadtteil Mitte, in der Nähe der ältesten Pfarrkirche St. Nikolai.
Das Fundament der Kirche wurde aus Stein errichtet, die Wände bestehen aus rotem Backstein. Der Baustil gehört zur brandenburgischen Backsteingotik. Der Turm besteht aus Kalkstein aus Rüdersdorf und ist 48 Meter hoch. Ein Brand zwischen 1663 und 1666 führte zur barocken Umgestaltung der Kirche unter der Leitung von Michael Mathias Smids nach 1666.
Ein Jahrhundert später erhielt der Kirchturm im Rahmen eines Projekts von Carl Gotthard Langhans, dem Architekten des Brandenburger Tors, eine neugotische Spitze und eine offene Laterne mit neogotischen und exotischen Elementen.
Die nächste Restaurierung erfolgte nach weiteren 200 Jahren. In den Jahren 1893–1895 modernisierte und rekonstruierte Hermann Blankenstein die Kirche.
Der Zweite Weltkrieg hinterließ zahlreiche Schäden an der Kirche. Doch die DDR-Regierung restaurierte das Gebäude zusammen mit dem gesamten Alexanderplatz und seiner Umgebung. Die Eingangsportale wurden vom Berliner Schmied und Bildhauer Achim Kühn gestaltet und mit Kreuzsymbolen versehen.
In den 1960er Jahren führte die Nachkriegsrekonstruktion des Stadtzentrums dazu, dass die St.-Marien-Kirche heute isoliert in einem offenen Raum steht, umgeben von modernen Hochhäusern und dem Fernsehturm. Der Abriss der umliegenden historischen Gebäude machte die St.-Marien-Kirche zu einem einzigartigen Zeugnis des mittelalterlichen Berlins in diesem Gebiet. Bemerkenswert ist, dass das Gebäude auf dem ursprünglichen mittelalterlichen Bodenniveau steht, was sich in einer Höhendifferenz von 1,5 Metern im Vergleich zur Umgebung zeigt.

Nutzung der Kirche
Im Jahr 1938 übergab die evangelische Kirche Berlins die St.-Nikolai-Kirche der Stadt Berlin. Nach dem Krieg blieb die St.-Marien-Kirche eine der wenigen offenen und kaum beschädigten Kirchen und wurde von der evangelischen Gemeinde genutzt. Neben regulären Gottesdiensten fanden hier auch Universitätsgottesdienste, ökumenische Feiern und Kirchenkonzerte statt. Besonders wichtig sind die Orgelkonzerte und Bibellesungen vor Weihnachten. Zudem dient die Kirche als Treffpunkt, Veranstaltungsort und Raum für soziale Aktivitäten wie eine Suppenküche für Obdachlose sowie Ausstellungen und Konzerte.

Architektur
Die St.-Marien-Kirche ist eine dreischiffige Hallenkirche mit einschiffigem Chor, einem gut erhaltenen Sterngewölbe und einer Krypta mit doppelgeschossiger Kapelle. Die acht glatten Pfeiler des Kirchenschiffs sind ohne Ornamentik gestaltet.
Der Kirchturm hat eine interessante Baugeschichte. Er wurde im 15. Jahrhundert nach dem Einsturz des Vorgängerturms errichtet. Außen bestehen die Materialien aus Stein und Kalkstein, innen aus Backstein. Der Turm wurde zunächst in zwei Metern Abstand zur Kirche gebaut und später mit ihr verbunden. Die mittelalterlichen Fensterleibungen sind aus Kalkstein und Backstein gefertigt. Der westliche Portalbogen wurde im 19. Jahrhundert neugotisch gestaltet und nach dem Zweiten Weltkrieg erneut ersetzt.
Die Kirche besitzt fünf Glocken. Der Hauptaltar wurde 1762 von Andreas Krüger im Barockstil geschaffen und kann als Sakristei genutzt werden. Er ist mit Gemälden wie „Jesu Gebet am Ölberg“, „Der ungläubige Thomas“ und „Die Kreuzabnahme“ geschmückt.
Neben dem Altar steht ein bronzenes gotisches Taufbecken aus dem Jahr 1437. Es hat die Form einer runden Schale mit Drachenfiguren am Fuß und ist mit Darstellungen von 16 Heiligen und einem lateinischen Schriftzug verziert.
Ein weiteres architektonisches Highlight ist die Alabasterkanzel von 1702–1703, die auf vier Marmorsäulen ruht und von zwei Engelsfiguren flankiert wird. Eine Wendeltreppe führt zur Kanzel hinauf.

Die Orgel
Die Orgel der Kirche wurde 1720–1722 von Joachim Wagner erbaut und 1723 eingeweiht. Im Laufe der Jahre wurde das Instrument mehrfach modernisiert. Im Jahr 1800 wurden 1400 der 2556 Pfeifen ersetzt. Der Klang wurde in den folgenden Jahrzehnten weiter optimiert, und die Stimmenzahl stieg auf 57. Der Klang wurde näher an den barocken Stil gebracht. Restaurierungen in den Jahren 1957, 1970 und 1985 gaben der Orgel ihre ursprüngliche Klangfülle zurück.

Kunstsammlung der St.-Marien-Kirche
Eines der wertvollsten Kunstwerke der Kirche ist das Fresko „Totentanz“. Es ist 22,6 Meter lang und zwei Meter hoch und zeigt tanzende Geistliche und weltliche Würdenträger in Begleitung der Figur des Todes. Es wurde vermutlich nach der Pestepidemie von 1484 geschaffen. Ein Projekt zur Restaurierung des Freskos ermöglicht den Erwerb von Mosaiksteinen, mit denen Unterstützer zur Restaurierung beitragen können.
Die Kirche beherbergt auch Kunstwerke aus der St.-Nikolai-Kirche und dem Franziskanerkloster, darunter 250 Werke aus dem 15.–19. Jahrhundert sowie eine wertvolle Bibliothek. Zu den restaurierten Kunstwerken gehören das Gemälde „Hesekiel im Tal der Toten“ von Michael Ribestein und das Epitaph der Familie Blankenfelde.