Montag, Februar 9, 2026

Der Absturz des sowjetischen Flugzeugs Il-62M: Warum die Behörden die Wahrheit verschwiegen

Am 17. Juni 1989 unterbrach ein Passagierflugzeug vom Typ Il-62M der Fluggesellschaft „Interflug“, das vom Flughafen Berlin-Schönefeld nach Moskau fliegen sollte, seinen Start bei einer Geschwindigkeit von etwa 300 km/h. Dies geschah gegen 8:15 Uhr morgens, vermutlich, weil die Piloten erkannten, dass das erst ein Jahr alte Flugzeug technische Probleme hatte, die den Flug unmöglich machten. Einige Reifen des Fahrwerks platzten, das Flugzeug geriet über die Startbahn hinaus, kollidierte mit mehreren Hindernissen und fing auf einem angrenzenden Maisfeld Feuer. Mehr Details zum Absturz des sowjetischen Flugzeugs und dessen Ursachen finden Sie auf berlinfuture.eu.

Die Rettungsaktion

Die Feuerwehr des Flughafens Schönefeld reagierte sofort auf den Vorfall, hatte jedoch zunächst große Schwierigkeiten, das Feuer zu löschen. Dennoch konnten die meisten der 105 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder gerettet werden. Neben freiwilligen Feuerwehren der Umgebung wurden auch Einheiten aus Ost-Berlin und Potsdam alarmiert. Die Rettungsmaßnahmen waren jedoch alles andere als ideal. Ein Großteil der Verletzten musste von Rettungsdiensten aus Ost-Berlin versorgt werden, die etwa 30 Kilometer vom Unfallort entfernt stationiert waren. Dies verzögerte die Hilfe erheblich.

Die Feuerwehr West-Berlins bot Unterstützung an und schickte nach Absprache mit den westlichen Besatzungsmächten Krankenwagen zum Grenzübergang Waltersdorfer Chaussee. Die Grenzbeamten der DDR verweigerten jedoch den westlichen Rettungskräften die Einreise. In der Zwischenzeit wurden die ersten Verletzten auf eigene Initiative mit Bussen und privaten Fahrzeugen ins Krankenhaus Hedwigshöhe in Berlin transportiert, eine Strecke von etwa 10 Kilometern. Insgesamt starben 15 Menschen an der Unfallstelle, zwei während des Transports und vier später im Krankenhaus.

Rätselhafte Bergsteiger

Die geretteten Passagiere wurden zunächst in einen isolierten Hangar gebracht und befragt. Es bestand der Verdacht, dass es sich um einen Terrorakt handeln könnte. Telefonate waren nicht erlaubt, und den Passagieren wurde mitgeteilt, dass Angehörige bereits benachrichtigt würden. Die Stasi wurde auf Medienberichte aufmerksam, in denen erwähnt wurde, dass eine Gruppe von Bergsteigern Passagieren half, aus der Gefahrenzone zu entkommen. Tatsächlich war eine Bergsteigergruppe auf dem Weg nach Moskau, um über Samarkand mehrere Fünftausender zu besteigen. Ihre Reise war jedoch offiziell nicht registriert, und einige Visa waren gefälscht. Trotzdem hatten die Extremsportler auf ihr Glück vertraut. Die Stasi war über diese Reise nicht informiert.

Unter normalen Umständen wären die Bergsteiger verhaftet worden. Doch in diesem Fall fand die Stasi eine elegante Lösung: Das Ministerium für Staatssicherheit legalisierte kurzerhand die illegale Reise.

Untersuchung des Absturzes

Eine ungewöhnliche Besonderheit dieses Vorfalls war, dass die Zeitungen und das Fernsehen der DDR aktuelle und detaillierte Berichte über den Unfall veröffentlichten. Gleichzeitig wurden jedoch einige Fakten bewusst verschwiegen. So wurden beispielsweise Aussagen von Augenzeugen ignoriert, die berichteten, dass das Flugzeug bereits in der Luft gewesen sei. Auf diese Weise wollte die DDR eine internationale Untersuchungskommission vermeiden, die üblicherweise Flugzeugabstürze untersuchte. Die Staatsanwaltschaft der DDR führte eine interne Untersuchung durch und stellte das Verfahren schließlich ein.

Nach dem Zusammenbruch der DDR geriet der Unfall von Schönefeld in Vergessenheit. Die Betroffenen, die nur geringe Entschädigungen erhalten hatten, konnten erst Mitte der 1990er Jahre Klage einreichen. Zu diesem Zeitpunkt waren ihre Ansprüche jedoch bereits verjährt. Während eines Gerichtsverfahrens 1997 wurde der Flugingenieur von dem Vorwurf freigesprochen, die Vorschriften für den Umgang mit technischen Problemen nicht beachtet zu haben.

Der Richter kam zu dem Schluss, dass eine Kette von Fehlern zu dem Absturz führte, beginnend mit einem falsch konstruierten Flugzeug und der unzureichenden Ausbildung der Besatzung. Niemand zeigte weiteres Interesse an einer vertieften Untersuchung des Unfalls.

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