Die moderne Metropole Berlin entstand durch die Vereinigung zweier Siedlungen – Berlin und Cölln. Diese beiden Siedlungen legten den Grundstein für die Stadt, die zur größten und prächtigsten in Deutschland wurde. Um dieses Ziel zu erreichen, investierte die Stadtverwaltung aktiv in den Bau von Brücken. Eine dieser Brücken ist die Roßstraßenbrücke, die zu den drei ältesten Übergängen über die Spree gehört. Mehr über diese Brücke erfahren Sie in der Publikation berlinfuture.eu.

Geschichte und Bau der Brücke
Zunächst einmal ist zu beachten, dass Cölln eine Insel ist. Im 13. Jahrhundert, als die Siedlungen auf dem Gebiet des heutigen Berlins entstanden, war diese Insel von zwei Armen der Spree umgeben. Der südliche Teil der Insel bestand aus sandigen Böden, während der nördliche Teil sumpfig war. Die Insel Alt-Cölln wurde durch vier Brücken mit Alt-Berlin verbunden: Mühlendamm, Rathausbrücke, Liebknechtbrücke und Friedrichsbrücke. Um die Verbindung mit Friedrichswerder zu sichern, existierten die Eiserne Brücke, die Schlossbrücke, die Schleusenbrücke und die Jungfernbrücke. Für die Verbindung mit Neukölln wurden die Neue und Alte Brücke, die Grünstraßenbrücke, die Roßstraßenbrücke und die Inselbrücke genutzt.
Die Stadt Cölln oder Alt-Cölln entstand auf der gleichnamigen Insel. Nach der Vereinigung oder Eingliederung in Berlin begannen die beiden Siedlungen gemeinsam, Stadtmauern mit Toren zu bauen, um die Handelswege zu schützen. So entstand in der Nähe des Köpenicker Tors eine Hängebrücke, die den Namen Köpenicker Brücke erhielt. Diese Brücke wurde 1683 vollständig umgebaut, zusammen mit den Stadtbefestigungen, die zu dieser Zeit ihre Schutzfunktion verloren hatten und daher allmählich abgebaut wurden. Der obere Teil der Brücke war aus Holz, hatte jedoch Durchgänge für Schiffe, die in der Mitte der Brücke hindurchfahren konnten. Dies ermöglichte die aktive Nutzung der Brücke sowohl durch Fußgänger als auch durch Handelsschiffe, die nach Berlin kamen, um Waren zu verkaufen.
Zur gleichen Zeit weisen Quellen aus dem 18. Jahrhundert darauf hin, dass die Köpenicker Brücke und die Roßstraßenbrücke unterschiedliche Bauwerke sein könnten. Es wird erwähnt, dass die Roßstraßenbrücke von Neukölln nach Alt-Cölln über den Friedrichsgracht führte, während die Köpenicker Brücke Neukölln mit der Vorderstadt Cölln verband.

Die Brücke im 19. Jahrhundert: Innovationen in der Architektur
Im 19. Jahrhundert erhielt die Brücke neues Leben. Im Jahr 1835 wurde ihr Name durch königlichen Erlass bestätigt – Roßstraßenbrücke. Dies war wichtig, um die Stadtnamen zu präzisieren und auf Karten zu verzeichnen. Die Brücke wurde häufig repariert, was ihre Nutzung durch die Berliner Bevölkerung einschränkte. Im Jahr 1848 wurde das Gebiet rund um die Brücke während der Revolution von 1848–1849 zu einem Ort der Auseinandersetzungen zwischen der rebellierenden Bevölkerung und den Regierungstruppen. Am 18. März 1848 wurde hier der junge Bürger Hermann von Holtzendorff (1825–1848) getötet. Eine Gedenktafel, die am 14. März 1998 angebracht wurde, erinnert heute daran.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen größere Veränderungen. 1876 wurden alle Brücken über die Spree städtisches Eigentum. Außerdem beschloss die Verwaltung, den westlichen Arm der Spree zu kanalisieren. Dies bedeutete, dass es die beste Lösung war, die alte Konstruktion abzureißen und eine neue zu bauen. Die Entscheidung über den Neubau der Brücke zog sich über mehrere Jahrzehnte hin, nämlich bis zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit wurde nach einem Entwurf von Ludwig Hoffmann eine massive einbogige Brücke gebaut. Sie hatte eine Breite von 18 Metern, und als Material wurde Sandstein verwendet. Die Brücke wurde 1901 eröffnet. Passend zum Namen der Brücke errichteten die Handwerker auf der östlichen Seite eine etwa drei Meter hohe Säule mit einem Pferd in Bewegung. Auf der westlichen Seite wurde ein Steingeländer mit 13 Sandsteinfiguren auf kleinen Vorsprüngen, die zum Wasser hin ausgerichtet waren, angebracht. Der Schmuck der Brücke stammte aus der Werkstatt des Bildhauers August Vogel.
Nach Meinung der Einwohner war dies eine der schönsten Bauwerke der Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Man kann sich den Brückenübergang vorstellen, der die reißenden Wasser der Spree mit einem reichen skulpturalen Design aus der Hand von August Vogel virtuos überspannte. So sah die Brücke nach dem Entwurf von Ludwig Hoffmann aus.

Die Geschichte der Brücke im 20. Jahrhundert
In den 1920er Jahren wurde die Brücke erneut zu einem Ort von Auseinandersetzungen zwischen rebellierenden Bürgern und den Regierungstruppen, einschließlich Polizeikräften.
Dann folgten die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs. Während des Krieges wurde dieses architektonische Denkmal, das die Berliner so bewundert hatten, zerstört. Die Brücke wurde durch Bomben beschädigt, ihre Bögen zertrümmert, und die Geländer und dekorativen Elemente, die plastische Verzierungen trugen, wurden zerstört. Für längere Zeit wurde sie nicht repariert, und es wurde lediglich eine provisorische Holzbrücke errichtet. Im Jahr 1946 begann der Wiederaufbau der Bögen. Erst 1958 wurde die Brücke restauriert, wobei ein neues Geländer aus Sandstein errichtet wurde. Allerdings wurden die ursprünglichen Verzierungen der Brücke nicht wiederhergestellt.
Im Jahr 1961, nach dem Bau der Berliner Mauer, wurde die Roßstraßenbrücke zu einem der Kontrollpunkte. Für den Verkehr wurde die Brücke erst 1989, nach dem Fall der Berliner Mauer, wieder freigegeben.

Grundsanierung und moderne Restaurierung des Denkmals
Von 2019 bis 2021 wurde die Roßstraßenbrücke einer umfassenden Sanierung unterzogen. Für die Arbeiten wurde die Brücke für den Fahrzeug- und Transportverkehr gesperrt. Die Restaurierung wirkte sich auch auf den Busverkehr und andere Verkehrsmittel in diesem Teil Berlins aus. Während der Bauarbeiten wurden der alte Gehweg, die Straßenbeläge, ein Teil der Stahlbetonbasis der Brücke, Geländer und Schutzrohre für Versorgungsleitungen entfernt. Die Brücke wurde mit einer schweren Stahlbetonplatte verstärkt und erhielt zahlreiche Anker in der Bogenstruktur aus Naturstein. Die Geländer wurden aus Naturstein gefertigt, um ihre Authentizität zu bewahren. Risse in der Bogenstruktur wurden durch Injektionen versiegelt. Gehwege und Straßenbelag erhielten neuen Asphalt. Es wurden zudem neue Schutzkabel für Versorgungsleitungen verlegt.
Nach der Sanierung wurde die Brücke gemäß der DIN 1072 klassifiziert und wird nun als 30/30-Brücke bezeichnet. Dies bedeutet, dass nun auch Lastwagen mit einem Gewicht von bis zu 30 Tonnen die Brücke nutzen dürfen. Die Baukosten beliefen sich auf etwa 2,4 Millionen Euro.

Historische Gebäude in der Nähe der Roßstraßenbrücke
In der Nähe der Brücke befinden sich ebenfalls interessante historische Gebäude. Etwas weiter oberhalb der Brücke steht ein altes mehrstöckiges Gebäude mit Rundbogenfenstern, das einst als Lager und Fabrik diente. Südlich der Brücke kann man das Märkische Ufer sehen, das 1969 umgebaut wurde. Dort stehen jedoch auch andere historische Gebäude aus dem alten Friedrichsgracht. Am Ende der Brücke befinden sich zwei Eckgebäude, die einst als Wachhäuser dienten (Residenzhotel Henriette und Hotel Großer Kurfürst).
An der Kreuzung mit der Wallstraße stehen Gebäude Nr. 76–79 im Jugendstil, die kurz vor dem Ersten Weltkrieg erbaut wurden. Dort befand sich ein Textilunternehmen, später die Tischlerzunft, das Hauptquartier der KPD im Jahr 1946 und später der Dietz-Verlag. Heute befindet sich hier die australische Botschaft in Berlin.
An der Kreuzung Neue Roßstraße 14/15 und Wallstraße 27 befindet sich ein Geschäftsgebäude von 1913, das zu DDR-Zeiten als Nachrichtenagentur diente.
Nördlich der Brücke liegt die Fischerinsel, ein Berliner Stadtteil, und der südliche Teil des Spreedreiecks. Bis in die 1960er Jahre befanden sich hier alte Berliner Wohnhäuser, die durch neue, moderne Hochhäuser ersetzt wurden.