Berlin bietet eine beeindruckende Liste verlassener Gebäude – von alten Industrie-, medizinischen und Bildungseinrichtungen bis hin zu überwucherten Vergnügungsparks. Diese Orte strahlen eine besondere Atmosphäre aus und lassen die Vergänglichkeit der Zeit spürbar werden. Außerdem ziehen sie Fans des Übernatürlichen und Geisterjäger an. Eine Auswahl der bekanntesten verlassenen Orte in und um Berlin, die einst voller Leben waren, präsentiert berlinfuture.eu.
Teufelsberg

Die ehemalige amerikanische Abhörstation Teufelsberg ist bekannt für ihre fünf großen Radarkuppeln, die in den 1950er-Jahren auf den Trümmern Westberlins errichtet wurden. Sie diente den Amerikanern während des Kalten Krieges zur Überwachung und Blockierung der Kommunikation. In den 1950er-Jahren wurden auf den Gipfeln der Hügel Antennen und Schüsseln für Spionagezwecke installiert, um die Kommunikation des Ostblocks abzufangen.
Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Abzug der Alliierten wurde die Anlage für die Flugsicherung genutzt. 1999 verkaufte die Stadt Berlin das Gelände, doch alle geplanten Projekte scheiterten. Heute steht die verlassene Station leer. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick auf Berlin und den Grunewald. Führungen durch die Ruinen des Komplexes sind für Besucher möglich.
Anatomisches Institut

Das 1929 erbaute Gebäude des Anatomischen Instituts der Freien Universität Berlin wurde für Lehrzwecke genutzt. Neben Vorlesungs- und Seminarräumen gab es einen Raum für Obduktionen. Noch heute sieht man dort Präparationstische und Aufbewahrungsschränke. 2005 wurde das Gebäude aufgegeben, nachdem das Institut an einen anderen Standort umgezogen war. Heute zieren Graffiti die verlassenen Wände. Nur die mutigsten Besucher wagen sich in das düstere Innere.
Bierpinsel

Der 47 Meter hohe Bierpinsel wurde in den 1970er-Jahren als architektonisches Wahrzeichen und Beispiel futuristischen Designs konzipiert. 1975 wurde der Bau unterbrochen. Ein Jahr später beschädigten Besucher bei einer Sommerparty die Konstruktion, und ein Feuer zerstörte durch einen Kurzschluss das gesamte Mobiliar.
In der Vergangenheit beherbergte das Gebäude Pubs, Restaurants und Nachtclubs auf vier Etagen. Heute steht der Bierpinsel leer, doch sein farbenfrohes Äußeres bereichert die Stadtlandschaft. 2010 bemalten Künstler aus aller Welt das Gebäude, das nun als gigantischer, bunter Pilz für Street-Art und futuristische Architektur steht.
Flughafen Berlin-Tempelhof

Von 1923 bis 2008 war Berlin-Tempelhof ein wichtiger Flughafen der Stadt. Zum Zeitpunkt seiner Eröffnung gehörte er zu den 20 größten Gebäuden der Welt. Auffällig ist das riesige Dach, das als Überdachung für das Vorfeld dient. Der Flughafen besteht aus einem elliptischen Flugfeld und einem symmetrisch angelegten Gebäudekomplex mit Vorhof, Empfangshallen, Transitzonen und Hangars. In den 1930er-Jahren gab es in Europa kein vergleichbares Bauwerk dieser Größe. Die Architektur ist monumental und technisch innovativ, mit Natursteinverkleidungen und einer massiven Fassade.
Tempelhof ist eine historische Stätte, die mit den entscheidenden Ereignissen Deutschlands im 20. Jahrhundert verbunden ist. Während der Berliner Blockade von 1948 bis 1949 spielte der Flughafen eine zentrale Rolle als Versorgungspunkt für die Bevölkerung Westberlins. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Bereiche der Anlage für die Waffenproduktion genutzt. Heute ist ein Teil des Flughafens Sitz städtischer Unternehmen, während andere Bereiche leer stehen. Besichtigungen des Hauptgebäudes sind nur mit Führungen möglich.
Kinderkrankenhaus Weißensee

Das Kinderkrankenhaus Weißensee war das erste städtische Krankenhaus für Säuglinge und Kinder und wurde 1997 eröffnet, um die hohe Kindersterblichkeit zu bekämpfen. Es setzte auf einen ganzheitlichen Ansatz: Neben medizinischer Versorgung erhielten die Kinder frische Luft und gesunde Ernährung dank einer eigenen Landwirtschaft.
Während des Zweiten Weltkriegs blieb das Krankenhaus in Betrieb, obwohl es stark beschädigt wurde. Nach dem Krieg konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Nach dem Fall der Berliner Mauer wurde die Einrichtung wegen zu hoher Kosten geschlossen. Heute ist das verlassene Krankenhaus ein beliebtes Ziel für Abenteurer, die die verfallenen Räume und Graffitis erkunden möchten.
Beelitz-Heilstätten

Etwa 1,5 Stunden von Berlin entfernt liegt das Krankenhaus Beelitz-Heilstätten, ein 1898 erbauter Komplex aus 60 Gebäuden. Ursprünglich für die Behandlung von Tuberkulosepatienten genutzt, diente die Anlage während des Ersten Weltkriegs als Lazarett, wo unter anderem Adolf Hitler behandelt wurde. Von 1945 bis 1995 wurde der Komplex von der Sowjetunion als Militärkrankenhaus genutzt. Nach der Wiedervereinigung verfiel ein Großteil der Gebäude.Interessanterweise diente Beelitz-Heilstätten als Drehort für Filme wie Operation Walküre, A Cure for Wellness und die Serie 1899.