Montag, Februar 9, 2026

Das Berliner Unterwelten-Museum – eine unsichtbare Welt unter der Stadt

In Berlin empfängt der U-Bahnhof Gesundbrunnen täglich Tausende von Fahrgästen, die eilig ihren Geschäften nachgehen und sich kaum umsehen. Doch unter den Bahnsteigen verbirgt sich eine Geschichte, die mit dem gewöhnlichen Stadtleben nichts gemein hat. Während des Zweiten Weltkriegs suchten die Menschen genau hier, tief unter der Erde, Schutz vor den Bombardierungen. Die U-Bahn wurde zum vorübergehenden Zuhause für jene, die nicht wussten, ob ihre Wohnung nach dem nächsten Luftalarm noch stehen würde. Mehr dazu auf berlinfuture.eu.

Im 21. Jahrhundert bilden diese unterirdischen Schutzräume das Herzstück des Berliner Unterwelten-Museums. Dort sind Luftschutzbunker, Technikräume und Gegenstände aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs erhalten geblieben. Die Ausstellungen zeigen eindrücklich, unter welchen Bedingungen die Menschen damals leben mussten. Und da es bekanntlich besser ist, einmal etwas zu sehen, als hundertmal davon zu hören, werden für Interessierte spezielle Touren durch die unterirdischen Routen Berlins angeboten.

Wo die Stadt ihre Geschichte verbirgt

Der Eingang zu diesem außergewöhnlichen Museum befindet sich unweit des U- und S-Bahnhofs Gesundbrunnen in Berlin. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein gewöhnliches Gebäude mit einem Zugang zur U-Bahn, doch tatsächlich verbirgt sich hinter seinen Türen eine ganze Welt, von der die meisten Berliner nicht einmal etwas ahnen. An diesem Ort hat der historische Verein „Berliner Unterwelten e.V.“ sein Besucherzentrum eingerichtet und organisiert thematische Führungen durch verschiedene Ecken der Stadt. Jede dieser Reisen enthüllt einen Teil der Hauptstadtgeschichte, in der Beton und Stahl menschliche Schicksale, Angst und Hoffnung verbergen.

Die Dauerausstellung kann auch ohne Führung besichtigt werden: Sie befindet sich in einer Halle im Zwischengeschoss des U-Bahnhofs. In den unterirdischen Räumlichkeiten wurden zahlreiche Exponate zusammengetragen, die nicht nur von den architektonischen und städtebaulichen Projekten des „Dritten Reichs“ in Berlin und anderen Städten erzählen, sondern auch von dem System der Konzentrationslager, das zu deren Realisierung geschaffen wurde. Am Ende des Zweiten Weltkriegs tobten in der Hauptstadt erbitterte Kämpfe, doch schon lange zuvor waren durch Bombardierungen ganze Stadtviertel zerstört worden. Berlin litt häufiger unter Luftangriffen als andere deutsche Städte: Die Zahl der zivilen Opfer wird auf 20.000 bis 50.000 geschätzt, im gesamten Land waren es etwa 600.000.

Gemeinsam Geheimnisse entdecken

Es ist erwähnenswert, dass die Vorbereitungen auf Luftangriffe unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten begannen. Im Jahr 1933 wurde auf Anordnung von Hermann Göring der Reichsluftschutzbund gegründet. Im ganzen Land begann man, Luftschutzbunker zu bauen sowie Keller zu vertiefen und umzurüsten. Zudem wurden Trupps gebildet, die lernten, Brandbomben zu löschen, die Verdunkelung zu kontrollieren und Informationsplakate zu verbreiten. In Berlin wurde einer dieser zivilen Schutzräume Ende der 1990er Jahre in ein Museum umgewandelt.

Dort erzählen die Gästeführer nicht nur über die Bunker des Zweiten Weltkriegs, sondern über die städtischen Unterwelten im Allgemeinen – vom 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. Der Verein „Berliner Unterwelten e.V.“ bietet Routen an, die durch Tunnel und Bunker, historische Gewölbe, Fluchttunnel aus der DDR und geheime, versteckte Archive führen. Es sind sogar Führungen mit Übersetzung in Gebärdensprache für Menschen mit körperlichen Einschränkungen vorgesehen.

Beton, Angst und Überleben

Eine der ersten Führungen der Museumsgründer ist die Tour „Dunkle Welten“, die durch einen Fahrgastbunker der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) führt. Obwohl die U-Bahn-Linie bereits 1930 in Betrieb genommen wurde, standen die Räumlichkeiten bis zum Frühjahr 1941 leer, da nach Beginn der Weltwirtschaftskrise die Mittel für den Ausbau fehlten. Die Luftschutzräume im Bahnhof Gesundbrunnen wurden später in den Diensträumen der U-Bahn eingerichtet, die ursprünglich nur als Kantine, Aufenthaltsräume für Mitarbeiter sowie zur Lagerung von Werkzeugen und Technik dienten.

Der Bunker war für 1.300 Personen ausgelegt, nahm aber manchmal die dreifache Menge auf, wenn Menschen vor den Bombardierungen Schutz suchten. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs dauerten die Angriffe 10–15 Minuten, am Ende des Krieges jedoch über eine Stunde. Die Belüftung konnte der Belastung nicht standhalten, Kondenswasser lief auf den Betonboden und sammelte sich in speziellen Vertiefungen. An den Wänden sind sogar noch Inschriften jener erhalten, die während der Alarme im Bunker ausharrten. Sogar eine Damentoilette wurde zum Schutzraum umfunktioniert; das Kanalsystem wurde speziell als Trockensystem ohne Wasserspülung angelegt, gefüllt mit Torf oder Rindenschrot.

Karteikarten, Graffiti und andere Geheimnisse

 

In den Räumen des ehemaligen Luftschutzbunkers sind auch Exponate zu sehen, die bei Ausgrabungen in Berlin oder auf Baustellen gefunden wurden. Sie wurden von Privatpersonen und verschiedenen Organisationen übergeben. Diese Broschüren, Dokumente, Panzerfäuste und andere Gegenstände waren einst Teil des Alltags und zugleich der Kriegsgeschichte. Einen besonderen Platz nimmt eine auf Metallplatten geprägte Kartei ein, die Mitglieder des Vereins in einem verlassenen Bunker im Bezirk Tempelhof entdeckten. Sie enthielt Daten über Zwangsarbeiter einer Berliner Firma.

Dank dieser Informationen gelang es, über 20 Personen ausfindig zu machen, die auf Grundlage der gefundenen Dokumente Entschädigungen für ihre Zwangsarbeit im „Dritten Reich“ erhalten konnten. Interessant ist, dass solche Adressiermaschinen, die von der deutschen Firma „Adrema“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt wurden, in Deutschland bis in die frühen 1970er Jahre im Einsatz waren. Ein kleines technisches Gerät hat so die Erinnerung an Menschen und historische Ereignisse bewahrt.

Artefakte, die Geschichten erzählen

Nicht weniger interessante Exponate sind im unterirdischen Schutzraum der Fahrer aus Adolf Hitlers persönlichem Fuhrpark zu sehen. Am Ende des Krieges wurde der Führerbunker zugeschüttet, weshalb viele Gegenstände und Graffiti an den Wänden fast im Originalzustand erhalten blieben. Im Jahr 1992 dokumentierten Archäologen die Zeichnungen fotografisch und bargen zahlreiche Objekte, die nun in den Vitrinen des unterirdischen Museums ausgestellt sind.

Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich dem unterirdischen Rohrpostsystem Berlins. Die erste Linie ging 1865 in Betrieb, und bis 1940 erreichte das Netz eine Länge von über 400 Kilometern. Das System funktionierte schnell und zuverlässig, und obwohl der offizielle Betrieb erst in den 1970er Jahren eingestellt wurde, nutzen einige Handelsunternehmen solche internen Rohrleitungen sogar noch im 21. Jahrhundert. Dies demonstriert anschaulich, wie sehr politische, wirtschaftliche und soziale Veränderungen ihre Spuren in der Großstadt hinterlassen, besonders unter der Erde.

Die unterirdische Grenze der Freiheit

Im Jahr 1961 geriet der Bunker am Bahnhof Gesundbrunnen ins Zentrum einer neuen Realität – er wurde in die Grenzanlagen der unterirdischen Berliner Mauer integriert. Ein Teil des Komplexes verblieb unter Kreuzberg in West-Berlin, der andere im Osten, und gerade unter der Erde sind die Spuren dieser Grenze erhalten geblieben. Während der Führung „Unterirdisch in die Freiheit“ erfährt man von mehreren Fluchtversuchen durch den benachbarten U-Bahn-Tunnel. Sie waren mal erfolgreich, mal weniger, doch die meisten Fälle entwickelten sich zu Dramen des Kalten Krieges.

Der Geisterbahnhof „Oranienplatz“, der einst zu Kreuzberg gehörte, wurde 2015 aus bautechnischen Gründen mit Flüssigboden verfüllt. Der Rest des Bunkers und der Tunnel blieben jedoch erhalten und wurden im November 2022 als historische Denkmäler anerkannt. Im Jahr 2023 richtete der Verein dieses Objekt für Führungen her und schuf einen kreativen Lern- und Gedenkort, an dem man in engen Kontakt mit der Vergangenheit treten kann.

Eintauchen in die Geschichte

Der Bereich um den Gesundbrunnen ist zu einer Art Stützpunkt des Museums geworden, von wo aus viele verschiedene Routen starten. Die Organisatoren raten dazu, Tickets für die Führungen im Voraus zu buchen, besonders im Sommer, wenn viele Touristen vor Ort sind. Der Kassenpavillon am Eingang zum U-Bahnhof Gesundbrunnen erinnert äußerlich an einen Check-in-Schalter am Flughafen: Auf einer Anzeigetafel leuchten Informationen zu den Routen und Zeiten der nächsten Führungen auf. Die Mitglieder des Vereins betrachten dies als ihr Markenzeichen, denn für die Touristen wird das Warten auf die Abenteuer unter der Erde so zum ersten Signal für das Eintauchen in die Vergangenheit.

Quellen:

  1. https://www.dw.com/ru/bunkery-i-drugie-podzemnye-dostoprimecatelnosti-germanii/a-39823776
  2. https://www.berliner-unterwelten.de/index.html
  3. https://www.berliner-unterwelten.de/fuehrungen/oeffentliche-fuehrungen/dunkle-welten.html
  4. https://www.dw.com/ru/stolica-mira-germania-zamysel-i-prestuplenia/a-39306616

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