Montag, Februar 9, 2026

Das Berliner Theater

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts befand sich Berlin, wie ganz Preußen, auf dem Höhepunkt seines Ruhmes dank der Siege der preußischen Armee. In dieser Zeit wurde die Stadt schnell ausgebaut, unter anderem entstanden das Brandenburger Tor und das Berliner Theater. Mehr über dieses bedeutende architektonische und kulturelle Denkmal erfahren Sie auf berlinfuture.eu.

Die Vorgeschichte des Theaters

Die Geschichte des Berliner Theaters begann lange vor dem Bau des Gebäudes. Bereits 1770 plante Friedrich der Große, bekannt als „Alter Fritz“, eine umfassende Umgestaltung Berlins. Diese Veränderungen betrafen Stadtbefestigungen (darunter das spätere Brandenburger Tor), Handels- und Handwerksbetriebe, die Anlage eines Kanals zwischen Oder und Elbe, das Schloss Bellevue und den Gendarmenmarkt. Auf diesem Platz wurden die Stallungen des Kavallerieregiments „Gens d’armes“ entfernt, und an ihrer Stelle entstand das Französische Komödienhaus. Die Vorliebe für die französische Kultur jener Zeit erklärt die Wahl eines französischen Theaters in Berlin.

Nach dem Bau blieb das Theater aus unbekannten Gründen zehn Jahre lang ungenutzt. 1786 erhielten die Schauspieler die Erlaubnis, sich „Königlich Preußisch Allerhöchstbegnadete National-Schauspieler“ zu nennen und hier aufzutreten. Doch nach nur einem Jahr wurde das Theater wegen finanzieller Schwierigkeiten geschlossen. Das Gebäude wurde später als Königliches Nationaltheater wiedereröffnet. 1800 wurde ein neues Theater mit einem großen Saal und einem gewölbten Konzertsaal errichtet, das jedoch 1817 einem Brand zum Opfer fiel. Im November desselben Jahres wurde der Bau eines neuen Theaters in Auftrag gegeben.

Planung des Theaters

Der Bau wurde dem Architekten Karl Friedrich Schinkel übertragen, der bereits am 4. Juli des Folgejahres den Grundstein legte. Eine der Bedingungen war, dass Teile des abgebrannten Gebäudes wiederverwendet werden sollten. So wurden Fundament, Steinfassaden und Säulen vorsichtig abgetragen und im Neubau integriert. Während das alte Theater 2000 Sitzplätze hatte, bot das neue nur 1200 Plätze, verglichen mit den 3000 der Königlichen Oper.

Der Architekt musste gewährleisten, dass alle Räumlichkeiten – Bühne, Werkstätten, Garderoben, Probenräume, Konzert- und Ballsäle – autonom und privat vermietbar waren. Zudem wurden Maßnahmen zum Brandschutz getroffen, darunter Wassertanks, Wasserhebemaschinen und sichere Kamine.

Der Bau des Theaters

Schinkel erfüllte alle Vorgaben. Er erweiterte den Mittelbau, fügte einen zweiten Giebel hinzu und errichtete zwei Seitenflügel. Im linken Flügel befanden sich der Konzert- und der Ballsaal, im rechten die Nebenräume.

Der Stil des Gebäudes war von dem Monument des Thrasyllos in Athen inspiriert. Schinkel bestätigte später, dass sein Werk dem griechischen Stil folgte. Große Fenster ließen viel Licht in das Gebäude, innen gab es Gewölbebögen, außen Pilaster. Der Bau wurde zu einem Vorbild für Architekten des frühen 20. Jahrhunderts.

Die Säulen bestanden aus Sandstein, das Gebäude aus Ziegeln, da in der Nähe keine großen Steinbrüche verfügbar waren. Die Außenwände wurden mit Gipsplatten verkleidet, die allerdings witterungsanfällig waren und häufig erneuert werden mussten. Nach 60 Jahren wurde der Gips durch Sandstein ersetzt, ein kostengünstigeres und haltbareres Material.

Auf der Fassade prangte eine lateinische Inschrift:
„FRIDERICUS GUILELMUS III THEATRUM ET ODEUM INCENDIO CONSUMTA MAIORE CULTA RESTITUIT MDCCCXXI“, was bedeutet: „Friedrich Wilhelm III. ließ das abgebrannte Theater und den Konzertsaal in größerem Glanz wieder errichten, 1821“.

Skulpturale Dekorationen

Das Theater wurde mit zahlreichen Skulpturen geschmückt. Der Bildhauer Christian Friedrich Tieck arbeitete über 30 Jahre an der Gestaltung. Mit Balthasar Jacob Rathgeber schuf er Figuren wie Tantalos, Eros und Psyche sowie Reliefs von Orpheus und Eurydike am Südgiebel und Dionysos und Ariadne am Nordgiebel. Vor den Treppen standen Bronzeskulpturen von Löwen und Panthern, die Musenfiguren trugen. Auf dem Giebel thronte Apollo in einem von Greifen gezogenen Wagen.

Vor dem Theater steht das Denkmal des Dichters Friedrich Schiller.

Theaterbetrieb im 19. Jahrhundert

Das Theater wurde am 26. Mai 1821 mit der Premiere von Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“ eröffnet. Es folgten zahlreiche Konzerte und Opernaufführungen. 1826 wurde Beethovens 9. Sinfonie gespielt, 1829 trat Niccolò Paganini auf. 1842 dirigierte Felix Mendelssohn Bartholdy, 1843 Franz Liszt, und 1844 führte Richard Wagner „Der fliegende Holländer“ auf.

Modernisierung und Betrieb im späten 19. und 20. Jahrhundert

1865 wurde der Konzertsaal in ein kleines separates Theater umgewandelt. Zwischen 1888 und 1889 wurden Bühnentechnik, Holzbalken und Betonelemente modernisiert, zudem erhielt das Theater elektrische Beleuchtung. 1904–1905 wurde die Brandgefahr durch weitere bauliche Maßnahmen minimiert. Unter Wilhelm II. wurde das Theater umgebaut, um die „gestiegene Macht des Kaiserreichs“ zu repräsentieren. Elemente im Stil des Neobarocks, Rokokos und Jugendstils wurden hinzugefügt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Theater in das Preußische Staatstheater umgewandelt, das sich durch innovative und politisch geprägte Inszenierungen auszeichnete. Unter Leopold Jessner wurden kontroverse Stücke aufgeführt, die oft zu Skandalen führten.

Heinz Tietjen, Nachfolger Jessners, behielt seine Position auch unter den Nationalsozialisten, die das Theater für Propagandazwecke nutzten. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude durch Bombenangriffe schwer beschädigt.

Wiederaufbau und heutige Nutzung

Zwischen 1979 und 1984 wurden die Wände des Theaters restauriert. 1992 zog das Berliner Symphonieorchester ein, das seit 2006 als Konzerthausorchester Berlin bekannt ist.

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